
Das ist unser vollständiges Interview mit Anna und Leif zu den Auszügen, die du im Orgasmic Parents Buch finden kannst.
Anna & Leif
Alter: Anna 39 und Leif 42
Anzahl und Alter Kinder (inkl. Sternenkinder):
Ich habe 3 Kinder (bekommen mit 20, 25 und 30) Das 3. Kind ist das gemeinsame und eine weitere Schwangerschaft, Abgang 10. Woche.
Ich habe ein gemeinsames Kind mit meiner Partnerin und einen Sohn, der ist jetzt 17.
Anrede/Pronomen: Sie / Er
Sexuelle/partnerschaftliche Orientierung, Beziehungsstatus (während Schwangerschaft / jetzt):
Ich bin bisexuell, zur Zeit lebe ich Sexualität ausschliesslich mit meinem Partner. Beziehungsstatus: monogam und so war es auch während der Schwangerschaft.
Ich bin auf meine Frau orientiert, monogam.
Wohnsituation:
Ich habe zuerst in einer Kommune gelebt und dann auch in einer WG und jetzt leben wir in einer Gemeinschaft. Also, wir teilen uns unser Geld und leben auch in einer WG zusammen.
Ja, auf dem Land.
Besonderheiten:
Zu dem Zeitpunkt, als es die Entscheidung gab, dass wir diese neue Form von Lebens- und Wohngemeinschaft starten, war es auch nicht so leicht für alle, dass wir in diesem Prozess schwanger wurden.
Also wir hatten in der Gruppe auf jeden Fall zu tun miteinander. Eifersucht und so. Ja… das war auf jeden Fall nicht so leicht für mich.
Vor allem, glaube ich, weil ich das Kind verloren habe. Mhm. Ich hab mich gefreut, obwohl das gar nicht geplant war. Wir wollten eigentlich kein viertes Kind zu dem Zeitpunkt, und es war auch super unwahrscheinlich. Aber dann hab ich mich sehr gefreut.
Und dann war das so ein bisschen ein halbherzliches Willkommen – und als ich das Kind verloren hab, war das dann schwierig für mich, auch im Kontakt mit den anderen. Nicht lange, aber für einen Moment war da dieses Gefühl: Ihr habt’s nicht gewollt.
Ein bisschen hatte ich das auch zu Leif.
Hattest du dann eine kleine Geburt?
Das war sehr besonders. Es waren alle mit dabei.
Wir haben eigentlich gerade an dem Tag ein Ritual für das Kind gefeiert – ein Willkommen, wo es auch seinen Namen bekommen hat, seinen Bauchnamen. Und wahrscheinlich habe ich dabei schon angefangen zu bluten.
Dann bin ich auf die Toilette gegangen, zum Pullern, und dann kam es. Es war sozusagen, als ob ich meine Tage bekomme. Man hat das Baby nicht richtig erkannt, aber man hat gesehen, dass es mehr war, als wenn man einfach nur seine Tage bekommt.
Und alle waren dabei. Also, es war auch schön – weil wir dann irgendwie alle zusammen geweint haben.
Hast du da gerade noch Gedanken oder Erinnerungen, Leif ?
Oh, ich merke wieder Traurigkeit, die da hochkommt, wenn ich dran denke. Das ist so das erste Gefühl.
Mit den Gedanken war ich davor bei dem Fakt, dass für mich ein Kind sowieso immer ein Geschenk war.
Ich hab ganz früh – also, ich hab die gleiche Krankheit wie mein Bruder, das Kallmann-Syndrom. Ich kann selbst kein Testosteron herstellen und krieg das deswegen gespritzt, alle zwölf Wochen, seitdem ich sechzehn bin.
Und da haben mir die Ärzt*innen schon früh gesagt: „Sie können keine Kinder kriegen.“
Deshalb hab ich auch nie verhütet – und dann ist mein erstes Kind doch entstanden. Entgegen aller Aussagen. Große Freude. Es war ein halbes Wunder. Dementsprechend hoch war die Freude.
Und du sagst, mit 16 war das klar, dass du diesen Gendefekt hast. Hattest du da eine Vorstellung, und wolltest vielleicht Kinder haben und Papa sein? Oder gab es das in deinem Kind-Jugend-Sein davor auch gar nicht?
Nee, und ohne Testosteron hatte ich ja noch weniger darüber nachgedacht. Auch nachdem ich angefangen habe Testosteron zu nehmen, war Kinder kriegen kein Thema. Ich glaube ich habe es zu dem Zeitpunkt auch verdrängt. Und dann war es lebenszeitpunktlich auch nicht die Aufgabe Papa zu werden.
Ich weiß, für deine Partnerin damals war das eine riesiger Prozess, dass dann klar war, mit dem Mann kann ich keine Kinder kriegen.
Und wie war es für dich, Anna? Wolltest du schon immer auch Kinder haben? Und hattest du vielleicht Vorstellungen dazu?
Also bei mir war das so, ich hab mir darüber keine Gedanken gemacht.
Ach doch, ich wollte schon, ich hab drei Geschwister und bin die Größte. Und das war schon irgendwie klar. So auf jeden Fall. Aber ich hab mir dann keine Gedanken darüber gemacht.
Und dann bin ich ja in eine Gemeinschaft gekommen, als ich 17 war. Das ist eher eine Sekte als eine Gemeinschaft. Also ich bin in eine Sekte gekommen. Die haben sich natürlich nicht als Sekte bezeichnet und ich fand das damals auch nicht, dass sie eine waren. Das habe ich dann aus meinen Erwachsensein später so sehen können.
Eine schöne tolle Gemeinschaft, so war das damals für mich. Und dort hat gerade die erste Generation Kinder, die waren quasi so alt wie ich. Und die haben Kinder gekriegt, ultra früh, mit 16, 17 oder so. Und dann hab ich mich in einen Jungen dort verliebt, der ist dort aufgewachsen. Und dann wollte ich unbedingt ein Baby mit achtzehn quasi, oder neunzehn war ich dann. Und es hat erst mal nicht geklappt. Das war sehr gut, weil ich mein Abitur hätte gar nicht zu Ende machen können. Ich hab damals in Leipzig gewohnt und dann bin ich aber auf dem Abiball scheinbar schwanger geworden und hab mich da auch sehr gefreut. Also das war einfach ein richtiges Wunschkind, geplant und gewollt und so. Und dann bin ich nach Füssen gezogen und das war dann ein bisschen schrecklich, weil ich dann sozusagen da hingezogen bin und innerhalb relativ kurzer Zeit gemerkt hab, oh nein, oh, wo bin ich denn hier gelandet? Das ist irgendwie ja nicht so schön, wie ich’s mir vorgestellt hab, sondern ist an ganz vielen Stellen ganz viel Hierarchie, Machtstrukturen, die nicht hinterfragt sind, also ich hab da ganz viel gelernt, muss ich sagen. Das war für mich sozusagen auch ein Quantensprung an Entwicklung, weil die sich sehr viel mit sich selbst auseinandergesetzt haben, sehr viel Beziehungsarbeit und so. Aber halt alles oktroyiert auf eine Art, auch geführt. Und ich hatte damals, heute hab ich es natürlich noch viel klarer, aber damals hatte ich schon das Gefühl, das ist nicht gut, wenn dir jemand sozusagen reinprügelt, also auch verbal, aber trotzdem sozusagen, was an dir nicht okay ist oder woran du arbeiten musst und so weiter.
Und das ging dann ziemlich schnell, dass ich eigentlich gemerkt habe, ich muss wieder weg. Und dann ist unser Kind geboren, das war auch schön und dann war klar wir gehen.
Und als ich dann in der anderen Welt war, sage ich mal, da fand ich es auch ziemlich schwierig mit zwanzig Mutter zu sein. Und gleichzeitig fand ich es an ganz vielen Stellen richtig cool, auch wirklich auch im Nachhinein noch. Ich find’s toll, jetzt noch nicht mal vierzig zu sein und so eine große Tochter zu haben. Ich fand auch, ich war eine coole Mutter. Aber die ersten zwei, drei Jahre fand ich auch richtig anstrengend, weil ich so gesellschaftlich so raus war. Mhm, alle um mich herum in meinem Alter hatten keine Kinder. Ich hatte dann halt lauter Freundinnen, die zehn Jahre älter waren als ich, die ich mir dann so auf der Straße gesucht habe oder in Krabbelgruppen. Ja, also das war schwierig. Aber das Kind war sehr gewollt und gewünscht.
Und dein zweites Kind?
Ist passiert. Mit einem anderen Mann dann. Also ich habe drei Kinder von drei Männern. Aber da habe ich mich dann auch sehr gefreut. Also es war auch die Schwangerschaft, wo ich am meisten gezweifelt habe. Ich habe nicht ernsthaft über Abtreibung nachgedacht, aber es gab Momente, wo ich so überlegt habe, schaffe ich das oder nicht? Oder will ich das und so. Aber im Grunde war es auch klar, auch weil ich zumindest zu dem Zeitpunkt mir eine Abtreibung nicht vorstellen konnte. Und genau, dann kam er einfach dazu.
Und unser gemeinsames Kind war halt nicht gedacht. Aber wir haben ja schon…, also du hast deine Therapie geändert, nicht mehr Testosteron bekommen, sondern LH, was sozusagen die Vorstufe ist, woraufhin der Körper dann eigenes Testosteron herstellt, was dann auch eine eigene Samenproduktion anregt. Und haben wir das gemacht, weil wir ein Kind wollten?
Nein. Ich wollte das auch mal probieren. Da war ja die Überlegung, ob und wie es sich verändert, regt es die eigene Bildung an und dann bleibt es? Es ist ziemlich teuer und das machen die Krankenkassen dann nur, wenn man einen Kinderwunsch angibt.
Und Leif, wenn du sagst, du wolltest es mal ausprobieren – wenn das eben vom eigenen Körper selber produziert wird. Was hat dich daran genau interessiert? Vielleicht auch, dich als sexuelles Wesen anders zu erfahren?
Andere sexuelle Realitäten zu erleben war kein Grund.
Ich meine, diesen Defekt, diese Krankheit zu haben und dementsprechend auch angewiesen zu sein auf dieses Substrat ist auch irgendwie was komisches. Und so wollte ich schauen, ob sich mit der neuen Therapie etwas ändert.
Es war schon spannend, ich hatte so etwas wie eine zweite Pubertät. Ich war viel schneller streitbarer, aber auch kindlich sozusagen, es war schon aufregend und auch gut das noch mal so erlebt zu haben.
Und genau, dann wird ja immer auch so ein Spermiogramm gemacht, um zu schauen, sind da jetzt Spermien, die zeugungsfähig sind. Und da waren dann tatsächlich auch welche drin, anders als nur unter der Testosterongabe, wo zu dem Zeitpunkt keine mehr waren. Und natürlich gab es davor ja auch mal welche, weil sonst hätte ich ja nicht das erste Kind gezeugt.
Genau, und zu unserem gemeinsamen Kind und diesem Prozess: Ich glaube, auch unterbewusst sicherlich, hat in mir gewirkt, diese Frau will ich binden. Und wie binde ich die Frau? Mit Liebe und allem, aber natürlich auch mit einem Baby. Und jetzt später noch der Ring, damit die Sache hier auf verschiedenen Ebenen ganz fest war.
Mittlerweile bin ich auch sterilisiert, bin sozusagen mit dem Kinder Thema durch.
Wie hast du das denn erlebt? Also hat sich Leif verändert, auch dadurch, dass er eben die neue Therapie dann gemacht hat? Oder wie hast du ihn in der zweiten Pubertät wahrgenommen?
Ja, was ich erstmal noch gern sagen mag, bevor du deine sogenannte zweite Pubertät hattest und diese neue Therapie begonnen hast, hattest du ja ein Jahr versucht, ohne Testosterongabe zu sein.
Ja, richtig.
Also es gab sozusagen den Versuch, wie ist es, wenn das Testosteron weg ist! Und das war auch schon mal auffällig, weil Leif ohne Testosteron auf jeden Fall auch anders war.
Unter anderem hattest du ein bisschen weniger Lust, also nicht total weniger Lust. Also es ist schon spannend, was mit diesen Hormon so alles ist. Weil der Endokrinologe dann an irgendeinem Punkt auch gesagt hat: “Ich weiß gar nicht, wie Sie mit so einem niedrigen Testosteronspiegel überhaupt leben können.” Wir hatten aber die ganze Zeit auch Sex miteinander, schönen Sex miteinander, aber es war so die Phase in unserer Beziehung wo ich dachte, vielleicht ein bisschen zu wenig Sex. (lacht)
Und daraufhin hin kam dann die zweite Pubertät. Also süß und aber auch anstrengend und auch faszinierend. Also wirklich so Hormone beobachten an einem erwachsenen Mann. Du warst total schnell beleidigt, hast richtig ausgeteilt, aber nichts einstecken können. So war es in der Zeit. Ich musste dich mit Samthandschuhen anfassen.
Was habe ich da gearbeitet?! Wie hast du das, wie haben wir das miteinander ausgehalten?! Ich hatte auf alle Fälle weniger Muskeln und war eher so spirituell unterwegs.
Also jetzt ohne Testosteron? Das passiert aber auch jetzt zyklisch.
Das passiert immer, wenn meine Dosis nachlässt. Dann will ich immer meine Ruhe haben, denke an Gott, mehr loslassen und weniger…
Das erste, wenn ich die Spritze dann kriege, dann merke ich, wie mein Kiefer so enger wird, wie die Muskeln pulsieren. Wie die Lust kommt.
Und dann habt ihr dreimal am Tag Sex?
Dreimal am Tag nicht, aber es ist schon so, wir haben dann schon mehr Sex. Auf jeden Fall anderen Sex auch. Zum Ende machen wir wieder Tantra.
In deinen Schwangerschaften, Anna, was erinnerst du da? Wie hast du dich da gefühlt? Also vielleicht auch bezogen aufs Frausein, vielleicht auch bezogen auf dich sexy fühlen oder besonders lebendig fühlen? Wie war das?
Das war unterschiedlich in den drei Schwangerschaften.
Und wenn ich auf die Schwangerschaft mit unserem gemeinsamen Kind gucke: Ich mochte schwanger sein. Auf jeden Fall war ich gerne schwanger alle drei Male. Ich mochte den Bauch, ich mochte, dass meine Brüste so groß geworden sind. Aber ich hatte auch immer ein bisschen ein Thema mit dem dick werden. Schande über mein Haupt.
Und am schwierigsten war es bei meinem mittleren Kind, weil da habe ich so leistungssportmäßig gebouldert und geklettert und eine Sache beim Klettern war für mich immer, dass ich keine Angst hatte. Das war was, was mich gut gemacht hat, weil ich da keine Angst hatte. Und dann war ich schwanger. Und dann hatte ich plötzlich Angst. Und das war so konfrontierend für mich, dass ich mich so fremdgesteuert gefühlt habe und so anders, dass ich wirklich am Feld saß und geheult habe und so wütend war, dass ich da jetzt nicht einfach hochklettern kann, sondern dass alles in mir sagt: Nein, mach es nicht! Also ich konnte nicht mehr im Vorstieg klettern. Ich konnte schon noch Toprope klettern, aber nicht im Vorstieg sozusagen. Und ich glaube, damit habe ich den Vater ganz schön zur Verzweiflung gebracht. Wenn man mit Abstand denkt: “Neun Monate und alles ist gut und du kannst danach wieder klettern. Und es ist doch genau gut, was dein Körper macht.” Also mein Körper hat das wirklich einfach genau gut gemacht. Aber in dem Moment habe ich mich nicht wohl gefühlt. Ich glaube auch, weil ich mich sehr über das Klettern definiert habe. Es war einfach eine meiner Hauptleidenschaften zu dieser Zeit.
Oh, jetzt erinnere ich mich daran, dass das der Vater von meinem mittleren Kind in irgendeinem Moment auch komisch fand, mit mir zu schlafen, so nah an dem Baby. Da war ich schon relativ am Ende schwanger. Das fand ich auf jeden Fall bescheuert. Das fand ich doof.
Und bei unserem gemeinsamen Kind: Das war spannend, weil ich war ja sozusagen das erste Mal schwanger war mit zwanzig, das letzte Mal, dann hochschwanger zumindest, mit dreißig, und das war ein totaler Unterschied. Wie fit ich mich gefühlt habe. Also in der Schwangerschaft mit den älteren Kindern habe ich mich super fit gefühlt und bin, beim Mittleren wirklich drei Wochen vor der Geburt geklettert.
Und bei dem jüngsten, da hab ich mich dann um die Blocks geschoben. Ich war wirklich ein bisschen langsamer. Was ganz schön war, weil ich damit viel mehr Entspannung hatte als zum Beispiel in der Schwangerschaft mit meinem mittleren Kind und auch das schönste Wochenbett hatte. Früher bin ich eben auch nach drei Wochen wieder geklettert. Völlig wahnsinnig. Und mir ging es auch nicht so gut damit, aber ich musste das trotzdem machen. Und bei meinem jüngsten habe ich drei Wochen im Bett gelegen, also so nackig im Sommer im Bett gelegen und war so glücklich damit, so nur mit meinem Baby da im Bett. Und ob die anderen kamen oder gingen, es war alles okay so. Aber vor allen Dingen, also da bin ich ganz dankbar dafür, dass ich diese Form von Wochenbett noch mal so erleben konnte.
Meinst du, das hatte eher mit deinem Alter und deiner Reife zu tun oder mit der neuen Partnerschaft und dem Leben in der WG?
Also da waren wir halt noch in der alten Wohnung. Ich glaube, das hat nicht so eine Rolle gespielt. Ich glaube mit Leif , das war schön, aber ich glaube, es war schon viel eher das Ältersein und ich fand, ich war auch gut begleitet durch meine Hebamme dann. Sie ist richtig gut und das hat richtig auch den dollen Unterschied gemacht so unterstützt zu sein. Und unser Kind… Ich habe bei allen Kindern eigentlich das Gefühl gehabt, die wirken durch mich durch, in der Schwangerschaft.
Also ich hatte auch wirklich so Sachen, die sich verändert haben, die ich nie so hatte oder habe. Beim ersten Kind zum Beispiel bin ich immer rot geworden, also nicht immer, aber ich bin rot geworden und ich werde normalerweise nie rot und sie wird ständig rot. Also sie wird einfach richtig schnell rot und in der Schwangerschaft mit ihr kam irgendwann dieser Moment, wo ich immer wieder, wenn mir kleine Sachen unangenehm waren, richtig rot geworden bin und ich dachte, was ist das denn?
Und bei meinem zweiten Kind, da hatte ich Panikanfälle und Platzangst und das passt auch. Das hat er auch.
So und bei unserem gemeinsamen Kind habe ich mich gefühlt wie eine Bärin. Wirklich! Und ich hatte so Pigmentveränderungen, die so am Bauchnabel sein können. Und ich hatte das im Gesicht doll. Also so richtig, so dass ich so braun war an den Wangen und ich sah wirklich aus wie ein Brillenbär.
Und für die Geburt hatte ich davor auch eine Trancereise gemacht. Also es war überhaupt nicht so angelegt, dass man sich jetzt in irgendein Tier verwandelt oder so, aber ich habe mich in eine Bärin verwandelt, die sozusagen so nach ihrer Höhle geguckt hat, wo sie ein Kind kriegen kann. Und wenn ich ihn jetzt erlebe und ihn sehe, dann ist es auch so gewesen, dass er da durch mich durch gewirkt hat.
Leif, wie war das für dich, Anna in der Schwangerschaft zu erleben – mit all den körperlichen Veränderungen, und sie vielleicht auch so als Bärin wahrzunehmen?
Jetzt komme ich mir ein bisschen vor wie ein Zeitzeuge – so, als lägen die Dinge schon so weit zurück, dass ich aufpassen muss, nicht einfach nur die Geschichten zu erzählen, die ich mir über die Jahre abgespeichert habe.
Also, was jetzt zuerst hoch kommt, ist die Erzählung von mir auch selbst, dass ich, wenn meine Frauen schwanger sind, dass ich mich dann sozusagen ganz doll drum kümmere, weil das ist für mich so ein existenzieller Punkt. So ein aussergewöhnlicher Moment, wenn die schwanger sind, dann ist klar, ich bin in einer dienenden Rolle und kümmere mich darum, das Nest zu bauen und dass ich mich sorge, sie liebe, ihnen all meine Aufmerksamkeit schenke.
Und dann finde ich sozusagen diese ganzen Körperveränderungen einfach richtig schön. Also als Anna dick und dicker wurde und der Busen groß und größer und all das, das finde ich einfach schön. Und in meiner Empfindung habe ich auch ganz viel dafür getan. Dass es eine schöne Schwangerschaft wird. Wir sind kurz vorher umgezogen in diese große Wohnung, haben da alles eingerichtet. Ich habe mich sozusagen um die anderen Kinder gekümmert, damit dieses schöne Wochenbett und schöne Schwangerschaft so gut als möglich funktionieren kann in meiner Erinnerung. Aber gleichzeitig hatte ich einen schwierigen Job zu der Zeit, war richtig oft auch an und über der Überlastungsgrenze. Daran erinnere ich mich auch. Genau mit dem Anspruch, das richtig schön zu machen, hatte ich da auf jeden Fall auch zu tun. Das weiß ich noch.
Was war mit deinem Job? Warum warst du da dann auch so überfordert?
Es war ein neuer Job, diesmal im Angestelltenverhältnis und es war einfach viel. Ich weiß, dass ich da nach einem Vierteljahr angefangen habe, immer nach der Arbeit Eis zu essen, als Kompensation. Außerdem kam ich nach Hause, und da ging der Tag dann eigentlich erst richtig weiter. Wir hatten ja drei kleine Kinder, und es gab oft Auseinandersetzungen, besonders zwischen den Jungs. Da erinnere ich mich, dass ich viel mit meiner Vater- und Stiefvaterrolle gefordert war. Und dann wollte ich es aber noch ganz richtig toll machen mit meiner Frau in ihrer Schwangerschaft. Deswegen war das richtig aufwendig für mich.
Wie war das denn in der Zeit mit Sexualität – erinnert ihr euch, ob und wie das möglich war? Wenn Lust da war in der Schwangerschaft, konntet ihr euch in dieser Konstellation überhaupt Raum dafür nehmen?
Ich muss jetzt erst mal sagen: Danke. Also ich fand es spannend, dass du jetzt noch mal so erzählt hast, wie du dich gekümmert hast und dass ich dir wohl dafür noch nie so richtig gedankt habe. Und das habe ich auch gar nicht gefühlt in dem Moment. In dem Moment habe ich nur gefühlt: ich und mein Baby im Wochenbett. Und drei andere Kinder, die schon da waren und einen Haushalt, der zu schmeißen war, das ging ja nur, weil du den Rest gemacht hast. Also danke! Das war wirklich eine sehr schöne Zeit für mich.
Anders als in der Schwangerschaft. Da erinnere ich mich noch genau daran, dass du auch alles so gut machen wolltest. Und ich immer dachte: Ich fühl dich nicht! Das ist das falsche Konto – ich will nicht umziehen, keine große Wohnung, ich will Liebe! So war das damals, kurz vor der Geburt, als wir noch umgezogen sind – total verrückt eigentlich. Du hast alles gemacht, ich hab nur noch ein bisschen hin und her gepackt. Und trotzdem erinnere ich mich an dieses Gefühl, an den Vorwurf dir gegenüber. Ja, das war schwierig. Und das war auch eher nur punktuell. Und dieses ins Drama gehen, das ist auch schon viel weniger geworden.
Ja. (lacht)
Also viel weniger Drama zwischen uns als früher. Aber damals war auf jeden Fall noch mehr Drama. Und Sexualität haben wir die ganze Zeit gelebt. Wir hatten einfach immer Sex, auch wenn die Kinder im Zimmer waren. Die haben halt geschlafen. Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, dass uns das irgendwann mal gestört hätte.
Als wir in diese größere Wohnung gezogen sind, war meine älteste zehn und da hat sie das erste Mal ein eigenes Zimmer gehabt. Davor, also als ich hochschwanger war, haben wir wirklich zu fünft ein großes Matratzenlager gehabt. Und wir hatten einfach Sex, wenn die Kinder geschlafen haben, also wohl dann in dem Raum. Manchmal sind wir auch in einen anderen Raum gegangen.
Und ich glaube, wir haben so kurz vor der Schwangerschaft unsere ersten BDSM Erfahrungen gemacht. Das war auf jeden Fall eine krasse Veränderung in unserer Sexualität. Also wo wir halt mehr experimentiert haben. Und auch das war ein mega Struggle für mich, weil ich das einfach nicht mit mir, also meine devote Seite, die ich da erforscht habe, überhaupt nicht zu meinem Selbstbild gepasst hat. Ich hatte einfach diesen ganz klassischen Struggle und gleichzeitig ultra viel Lust. Also so auch noch mal eine neue, andere Form von ekstatischer Lust einzuladen. Damit hatten wir viel hoch und runter. „Nein, nie wieder.“ Und „Doch, bitte.“ Also so und dann war ich schwanger. Und dann weiß ich noch, dass das noch stärker kollidiert ist. Auf jeden Fall, also, dass ich so in der Schwangerschaft das nicht so gut haben konnte, dominiert zu werden oder dass mir mein Partner weh tut oder so, was ich immer wieder, davor und auch danach mochte. Auch jetzt noch mag ich Schmerzen. Nicht immer, aber manchmal habe ich Lust auf Schmerzen im Liebesspiel. Aber das konnte ich in der Schwangerschaft gar nicht haben. Und überhaupt wollte ich einfach geliebt sein.
Ja, verstehe.
Und ansonsten erinnere ich mich noch daran, was für mich konfrontierend war. In der Schwangerschaft und auch ein bisschen in der Stillzeit noch, war ich nicht so feucht wie sonst. Ich habe mich so richtig lustvoll gefühlt und hey, da fließt nichts, nicht so wie ich es kenne. Mhm, und was war eigentlich mein Problem daran? Es war halt anders und ich glaube, ich bin halt gerne feucht. Das ist ein schönes Gefühl für mich. Und du resonierst damit ja auch sehr. Und ich glaube das war auch wie so ein Gefühl von irgendwie passt jetzt mein inneres Empfinden nicht zu dem, was mein Körper macht. So ein bisschen stelle ich mir das in den Wechseljahren vor und das kann ja da auch ganz unterschiedlich sein.
Wenn du sagst, feucht werden ist nochmal was anderes – inwiefern ist Ejakulieren für dich auch eine Form, dich sexuell zu erleben? Und hat sich das in der Schwangerschaft oder in der Stillzeit verändert?
Es kam erst danach. Es kam erst vor zwei Jahren oder so, wir haben einen Workshop gemacht. Wir haben einen weiblichen Ejakulation Workshop gemacht, wollte das schon ewig machen, aber es gab immer nur Workshops für Frauen nur unter Frauen. Und das hat mich jetzt auch nicht abgestoßen, aber es hat dann irgendwie nicht so gefunkt. Und dann gab es ein Workshop mit Partner. Und wir sind da zusammen hingegangen und das war toll. Und seitdem ist es auch ein fester Bestandteil meines oder unserer Sexualität, wenn wir Lust darauf haben.
In der Schwangerschaft habe ich ejakuliert unter der Geburt, das erste Mal sozusagen. Aber das habe ich auch nicht gecheckt. Meine Hebamme hat es mir dann gesagt und erklärt. Es war zweimal, dass ich so richtig ejakuliert habe. Und die Hebamme hat auch dran gerochen und es war kein Urin. Und dann ist die Fruchtblase erst eine Stunde oder eine halbe Stunde später gesprungen, da war die Flüssigkeit grün. Also es war ganz offensichtlich, das Fruchtwasser war in einem anderen Zustand als mein Ejakulat. Ja, das war das erste Mal.
Und kannst du dich da noch erinnern, wie sich das für dich angefühlt hat?
Das hat sich gut angefühlt! Aber jetzt nicht so und ich habe das jetzt auch nicht so, ich mag das total, aber es ist zum Beispiel nicht gekoppelt mit dem Orgasmus. Wenn ich ejakuliere, dann ist es ein ganz befriedigendes Gefühl. Aber ich kann danach schön und gerne noch anders kommen.
Ja, cool, habe ich auch noch nicht gehört, dass frau das als erstes unter der Geburt erfährt. Aber macht voll Sinn für mich: Hingabe und Loslassen.
Ja, eigentlich macht es voll Sinn. Also ich presse auch, wenn ich ejakuliere. Und meine Hebamme hatte mir vorher, wir hatten ja schon öfters mal drüber geredet und sie hatte mir das vorher schon beschrieben und dann habe ich gemacht, was sie mir beschrieben hat und dann ist es geflossen.
Leif, wie war das für dich? Also auch im Sexuellen – was erinnerst du, was hat sich verändert, wie hast du das erlebt?
Also, ich erinnere mich an nicht so viel. Aber ich erinnere mich an den riesigen Busen, die Brüste, die so einen schönen Vorhof hatten. Und ich mochte sozusagen, dich in einer anderen Quantität, dich in einem anderen Modus zu erleben, das war aufregend und ich mochte das auch so auf die Größe bezogen. Also du im Jumbo Modus. Das war sehr schön. Da war wirklich eine Überraschung und eine Freude. Also Freude über diese andere Daseinsqualität auch. Ich meine, wir waren auch noch nicht so lange zusammen, oder?
Doch, wir waren schon seit 3 Jahren zusammen.
Es fühlte sich trotzdem an wie Verliebtheitsphase und dieses Gefühl: Wie schön! Jetzt mit dir ein Kind.
Interessant. Ich erinnere mich, wenn ich so einen Anfall hatte, von: Nie wieder BDSM! Nie wieder dominiert werden! Dann bist du so richtig abgestürzt.
Absolut. Aber das hatte nichts mit der Schwangerschaft zu tun. Ich glaube, weil ich es davor noch nicht erlebt und gekannt hatte. Und dann, seitdem ich es aber sozusagen selbst ausprobiert, erlebt habe, habe ich gemerkt, dass es ein ganz schöner Kanal ist oder ein ganz bedeutsamer Teil von mir, den ich da ausleben darf.
In meiner restlichen Lebenswelt kenne ich auch diesen dominanten Modus und kann den ausleben. Aber es ist irgendwie noch mal was anderes, wenn ich bewusst Dominanz in mein Sexleben mit einfließen lasse, eine andere Qualität in mir, die da irgendwie ins Fließen kommt. Und wenn du sagst, das will ich nicht mehr oder sowas, dann war Arsch auf Grundeis: Oh scheiße, scheiße, scheiße! Da war die Panik dann.
Und ich erinnere mich, meine Mutter meinte, wenn das so wichtig ist, kannst du dir nicht irgendwo jemand suchen? Und dann macht ihr da dieses Spiel so. Ja, aber der Gedanke ist ganz schön fern, denn das ist sozusagen die nächste Lawine, die dann losginge. Wie wäre das, könnte ich das unserer Beziehung zumuten, dass ich das gerne woanders ausleben wollte. Oh mein Gott, sagt meine Partnerin “Nein!”, dann wäre die Beziehung in Gefahr. Schrecklich. Schrecklich. Und deswegen sozusagen der Absturz oder die Panik, wenn es im Raum stand, dass du es nicht mehr wolltest.
Spielt auch nicht mehr so eine ganz große Rolle in unserer Sexualität.
Nochmal bezogen auf die Schwangerschaft: Leif – gab’s bei dir irgendwie Bedenken? Bei Anna hab ich ja gehört, dass sie da eigentlich keine hatte.
Nö. Ich bin sehr, in meinem Bild, ein sehr körperfreundlicher Mensch bezüglich aller Säfte, Düfte meiner Partnerin, was da so alles kommt. Deswegen hat mich das nicht in irgendeiner Art und Weise negativ, sondern eigentlich alles in Richtung positiv berührt.
Als das Embryo abgegangen ist, da hatten wir vorher Sex. Auch ziemlich heftigen Sex. Da weiß ich noch, dass du dir danach Sorgen gemacht hast, ob das was damit zu tun hatte.
Aber es war so, wie das Embryo war, was da aus mir rauskam, war völlig klar, das ist eigentlich schon eher in der achten Woche gestorben. Es war in der zehnten Woche abgegangen.
In der achten Woche gab es sowieso einen Moment, da hatte ich angefangen zu bluten, so ganz leicht. Im Grunde war es wahrscheinlich so, dass der Sex die Geburt eingeleitet hat. Was ja auch bei Geburten, wenn sie reif sind, so sein kann.
Wenn du über den Termin bist, empfehlen dir das ja auch die Hebammen gerne. Genau, sonst hatten wir keine Angst oder so.
Du hattest ja eine sehr gute Hebamme in der letzten Schwangerschaft und Wochenbett. Hast du mit ihr über Sexualität während der Schwangerschaft gesprochen?
Oder brauchtest du das gar nicht? Und wie war das vielleicht, als du das erste Mal schwanger warst, so jung? Gab es da irgendwie auch Gespräche vielleicht mit deiner Ärztin oder Arzt oder eben auch mit der Hebamme, die du da vielleicht hattest?
Ähm, ne. Ich habe, glaube ich, mit niemandem über Sexualität da gesprochen. Also in der ersten nicht und in der zweiten nicht. Aber ich habe mich auch darin immer sicher gefühlt.
Mhm. In der ersten Schwangerschaft, mit den Ladies, wurde da nicht über alles gesprochen?
Ja, genau. Aber mit niemandem, meine ich jetzt im Sinne von Personal. Natürlich mit meinen Freundinnen und auch mit den Menschen von der Gemeinschaft, wo ich in der ersten Schwangerschaft gelebt habe, habe ich mich ausgetauscht. Aber auch nicht in dem Sinne von, ich habe Angst, sag mir mal oder so.
In der Gemeinschaft damals, also sie sind sehr so in ihrer Vorstellung so back to the roots mäßig und alle Haare sollen wachsen und auf jeden Fall, Kinder kriegen ist gut und Sexualität zu jeder Zeit ist auch gut.
Wie war denn die Geburt dann? Und vielleicht mit dem Fokus auf die Geburt eures gemeinsamen Kindes?
Die Geburt war für mich ziemlich heftig, obwohl es ja mein drittes Kind war. Ich hatte einfach richtig doll Schmerzen. Also so unerwartet dolle Schmerzen für mich. Es hat alles überhaupt nicht lange gedauert. Also ich glaube insgesamt drei Stunden oder so. Aber trotzdem war der Anfang für mich sehr schmerzhaft. Und ich hatte auch so eine komische Form von Verzweiflung, ich habe mich gefühlt wie ein Eisbär im Zoo, der immer so hin und her läuft. Und dann habe ich dich gebeten das Zimmer aufzuräumen von den Jungs. Das soll alles ordentlich sein. Und danach war das Zimmer aufgeräumt. Dann kam die Hebamme.
Und dann war das so, ich hatte eine Trance-Reise gemacht. Eine Trance-Reise mit Pferden und so. Und es ist wirklich spannend, wie gut das zu der Geburt gepasst hat. Ich erinnere mich, ich bin auf mein Pferd gestiegen und dann ist mein Pferd mit mir durchgegangen. Und so hat sich das auch angefühlt. Bis wir losgesprungen sind. Und danach wurde es ein gemäßigterer Galopp. Und so war das dann auch. Ich hatte einfach dolle Schmerzen.
Die Hebamme hatte das Gefühl, es kommt nicht richtig runter. Und am Ende war es sozusagen so, die Nabelschnur war mehrmals um ihn herum gewickelt und sie hatte nur noch ganz wenig Spielraum und es kam deshalb nicht richtig runter. Und sie hat dann auch kurz überlegt, ob sie quasi in mir abnabelt, was ja irgendwie eine heiße Sache ist. Und dann kam er aber raus und die Nabelschnur war schon kollabiert, was auch eine heiße Sache ist. Aber die musste kollabieren, damit er rauskommen kann. Und es hat alles gut geklappt.
Aber ich weiß noch, in dem Moment der Geburt, wo es so kritisch war, hatte die Hebamme überlegt, den Notarzt zu rufen. Und dann hat sie halt zu mir gesagt, entweder es geht jetzt ganz schnell oder wir müssen ins Krankenhaus. Und dann habe ich mir ganz viel Mühe gegeben.
Und dann weiß ich noch, ich kann mich richtig an dich dann erinnern, wie du einfach vor mir warst und ich so aber auch die Panik in deinen Augen gesehen habe. Und meine Tochter war noch dabei. Sie hat mich die ganze Zeit so beruhigt: Du machst das gut, Mama. Mach weiter. Und du schaffst das. Ja, du machst das richtig gut. Und dann kam das Baby raus und dann war er da.
Und das war einfach sehr besonders, weil es so heftig war irgendwie. Also auch die Geschwindigkeit und so. Weil die Hebamme dann halt zu mir gesagt hat, du musst jetzt über dich hinaus wachsen. Du musst jetzt alles geben, was du hast. Und dann habe ich einfach ihn da so rausgepresst. Und lag dann da mit ihm. Also das hat mich schon gefreut. Aber ich weiß noch, dass ich bestimmt eine Viertelstunde lang immer nur so gesagt habe, Scheiße, fuck… Es ist wirklich so, als wäre ich einen Ultramarathon gelaufen. Und das war auch sehr besonders, war auf jeden Fall anders als bei den anderen Geburten.
Und ich kann mir vorstellen, dass es auch was mit dieser Art von Geburt zu tun hatte, dass ich ganz schnell richtig viel Lust hatte nach der Geburt. Also wirklich so, keine Ahnung, nach einem Tag oder nach zwei Tagen. Also wirklich, ich war richtig heiß. Und ich denke mal, dass ich eigentlich eine Form von Entladung gebraucht habe oder wollte. Und das war auch komisch für dich dann, also das war ein Moment, wo du jetzt nicht so sexuell warst.
Leif, wie war das für dich? Ich habe schon gehört, ein bisschen früh, dieses Lustverlangen.
Geburt… Da fühlte ich mich schon sehr schwach und ausgeliefert in dem Moment, weil du machst es dann komplett. An dir liegt es, in dir liegt es. Eine große, sehr große Dankbarkeit und Respekt. Da kann ich nicht viel mehr machen als hoffen. Und so hab ich mich dann auch gefühlt, einfach große Angst, wenn jetzt hier gleich der Notarzt kommt und was weiß ich. Und ich kann nichts tun. Also ein bisschen halten, aber eigentlich nichts tun. Das war schon schwer. So ist es eigentlich gewesen. Und dann, genau, große Freude. Dass wir es geschafft haben.
Und wir mussten ja trotzdem noch ins Krankenhaus. Und dann dieser Auftritt von dem Rettungsdienst und dahin eiern. Warum mussten wir noch mal hin?
Er hatte eine leicht erhöhte Temperatur und hatte eine schnelle Atmung. Also es war Verdacht auf Infektion. Hat sich nicht bestätigt. Aber genau, wir waren dann die erste Nacht im Krankenhaus.
Genau, das war eine krasse Geburt. Wir hatten ja nicht Penetrationssex, aber ich glaube nicht, dass ich, ich erinnere nicht genau, aber dass ich was gegen andere Sexualpraktiken hatte.
Wir hatten dann eher sowas wie, ich glaube, nach zwei bis drei Wochen Penetrationssex. Also noch nicht in diesem Moment, wo ich irgendwie diese, ich sag mal, Notgeilheit hatte, so hat sich das ein bisschen angefühlt. Aber es war auch nicht so, dass ich mich dann selbst befriedigt hätte. Es war auch okay für mich, dann keinen Sex zu haben. Ich war ja auch voll beschäftigt mit dem Kind, aber es war interessant.
Und ich glaube, du warst in dem Moment ein bisschen irritiert. Aber du hast mir sehr freundlich mit meiner Schwester zusammen ein Plazenta-Gulasch gemacht.
Das war heftig. Das Fleisch zu zerschneiden…
Das war heftig, aber für mich war das irgendwie richtig gut.
Das heißt du hast die Plazenta gegessen?
Ja, fast komplett. Meine Schwester hat mir wirklich ein Gulasch draus gekocht und es hat auch wirklich geschmeckt wie Gulasch, und war ein ganz zartes Fleisch. Und ich hatte auch eine super Rückbildung und hatte einfach so richtig so ein Gefühl von, also das ist so ein richtiges Power-Essen.
Hast du es gleich ganz frisch gegessen?
Gleich frisch, also gleich am nächsten Tag und ich habe das dann drei Tage lang gegessen. Das war mein Mittag.
Hast du niemandem etwas abgegeben?
Ich habe natürlich den anderen angeboten zu kosten. Aber die wollten nicht.
Das macht man nicht. So war das für mich, so wie, Menschen essen das ist nicht in Ordnung.
Kam das von dir, diese Idee, die Plazenta zu essen? Oder kam das von der Hebamme? Oder…?
Ich hatte bei den anderen Geburten auch Plazenta gegessen, aber da halt nur so ein bisschen. In der Gemeinschaft haben die das auch gemacht. Die haben das auch getrocknet. Ich weiß, meine Schwiegermutter, die hat ja nach mir noch ein Kind bekommen.
Also wir waren da gleichzeitig schwanger. Und sie hat auch die Plazenta getrocknet und zu Pulver gemacht. Und dann immer, wenn sie zu wenig Milch hatte, hat sie Butterbrot gemacht und so. Auch mit der Plazenta drauf gestreut. Also da war ich vertraut mit.
Aber das war mein erstes Mal, wo ich sie einfach komplett gegessen habe. Also nicht komplett, die Eierhäute haben wir übrig gelassen. Ein bisschen haben wir auch vergraben, aber das meiste gegessen und das war mein Impuls.
Und du hast gesagt, die Rückbildung war richtig super. Gab es denn sonst, gerade weil es ja so heftig war und dann so schnell ging, gab es irgendeine Geburtsverletzung? Und hat die, falls es die gab, irgendwie die Sexualität beeinflusst?
Nee. Bei der ersten Geburt wurde ich geschnitten.
Bei der zweiten bin ich gerissen. Und da war ich irritiert, weil die haben mich genäht. Und ich habe ziemlich große Labien, innere Labien.
Und die haben die kleiner gemacht, sozusagen. Also nicht doll, die sind immer noch groß. Aber sozusagen der hintere Teil. Und das hat mich irgendwie irritiert. Weil ich weiß nicht, es gab auf jeden Fall einen Teil, der denen unterstellt hat, die haben das absichtlich gemacht. Aber das weiß ich nicht, ob das stimmt. Ich weiß es überhaupt nicht. Aber es war für mich eine Irritation, weil ich das Gefühl hatte, mein Körper ist jetzt anders. Ein Eingriff von außen. Aber das hat jetzt auch nichts gestört an meiner Lust oder so. Oder an der Sexualität.<
Am meisten erinnere ich tatsächlich wie es bei der ersten Geburt war. Weil ich da wahrscheinlich den größten Eingriff hatte. Durch das Schneiden. Aber auch nicht so doll bezüglich der Sexualität. Weil ich glaube, nach der ersten Geburt hatte ich eher so etwas wie nach fünf bis sechs Wochen das erste Mal wieder Sex. Am Anfang hatte ich zum Beispiel Probleme beim Stuhlgang – ich musste mir dabei einen Waschlappen an den Damm halten, damit nicht so viel Druck darauf kam. Aber ansonsten hatte ich da keine Probleme.
Ich erinnere mich noch an Sex mit Stillbrüsten. Weil die sozusagen immer wieder anfangen zu tropfen. Und das war auf jeden Fall mit dir sehr schön. Weil auch so eine Offenheit für meine Milch da war. So wie bei den anderen Körpersäften. Dass es eher lustvoll war. Für mich war Stillen auch lustvoll. Und für mich ist es auch immer noch total lustvoll, wenn mein Partner an meinen Brüsten saugt. Meine Brüste sind für mich sehr erogen.
Kurz vorher, bevor wir mit dem Interview angefangen haben, habe ich mit einer unserer Mitbewohnerinnen geredet und sie hat gesagt, dass sie richtig lange gebraucht hat, um neben der großen Nähe zum Kind, wieder Nähe zu ihrem Partner zuzulassen. Und überhaupt offen zu sein für Sex.
Und das war auf jeden Fall bei mir nicht so. Ich habe mich total nah mit meinen Kindern gefühlt, aber mein Nähebedürfnis war da nicht zu Ende. Ich verstehe das von meiner Mitbewohnerin auch nicht so richtig, wenn das so ist. Aber das ist ja meine Welt. Und in meiner Welt ist Körper und Kuscheln und Sexualität für mich irgendwie total unterschiedlich. Nur weil ich die ganze Zeit ein Kind an mir habe, heißt das nicht, dass ich nicht auch Lust habe, zu vögeln.
Und du sagst ja auch, es ist ja was anderes, wenn man beim Stillen Lust empfindet, das ist ja keine Lust, die irgendwie was mit erwachsenem Partner-Sex zu tun hat.
So hat es sich zumindest für mich angefühlt. Also auf jeden Fall. Das ist ein schönes Gefühl. Und manchmal gibt es auch wie eine Erinnerung. Wenn mein Partner jetzt an meinen Brüsten saugt, ist es natürlich irgendwie ähnlich. Aber irgendwie auch anders. Oder dann will ich dann noch was dazu. Bei ihm will ich ja was dazu. Und es ist ja auch schön, dass es sich schön anfühlt. Weil sonst hätte man ja keine Lust darauf, das irgendwie so viel zu machen, das Stillen. Denke ich mir.
Kannst du dich erinnern, inwieweit deine Brüste vor deiner ersten Schwangerschaft auch schon so eine erogene Zone für dich waren? Oder hat sich das immer mehr noch weiter entwickelt? So dass du jetzt sagst, das ist ein wichtiger Teil meiner und unserer Sexualität.
Ja, ich würde auf jeden Fall sagen, dass sich das entwickelt hat. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass das in meiner Jugend so eine große Rolle gespielt hat. Ich mochte das, obwohl ich hatte auch ein bisschen Komplexe mit meinen Brüsten. Wie heißt das, wenn die Brust sich so einzieht? Schlupfwarze? Das war bei meiner einen Brust so, nicht immer. Aber da habe ich immer drauf geachtet, dass die die nicht drin ist. Ich konnte die rausholen. Das war mir irgendwie unangenehm. Das war schon mit der ersten Schwangerschaft so.
Aber die Erogenität meiner Brüste, würde ich sagen, hat sich tatsächlich gesteigert über die Jahre. Wahrscheinlich mit dem Stillen und auch mit unserer Sexualität. Vor vier oder fünf Jahren haben wir unser erstes Tantra-Seminar besucht. Da waren Brüste auch viel Thema. Das hat auf jeden Fall gematcht mit dem, was ich gefühlt habe. Die Brust als großes erogenes Organ, auch der Frau. Das so zu erleben, auch noch mal gelehrt zu bekommen, Brustmassagen und langes Verweilen an den Knospen, das war für mich höchste Verzückung. Das war richtig schön.
Was ist dir, Leif, dazu noch eingefallen, als du Anna so gehört hast? Was ist deine Wahrheit? Was magst du da vielleicht noch teilen?
Ich erinnere mich noch an die Momente, als wir zusammenkamen. Da war dein mittleres Kind so klein und wurde gestillt von dir.
Ich habe lang gestillt.
Die Kinder haben ja auch immer die ersten Jahre mit bei uns im Bett geschlafen. In der Nacht hat das Kind geweint und dann rum und gestillt und fertig. Diese Nähe und dieses urmenschliche Miteinander hat mir gefallen.
Was ist Sexualität für euch?
Eine besonders aufregende, intensive, intime Interaktionsform. Vor allem mit dir. Ein bisschen mit mir selbst, allein, aber vor allem mit dir. Vor kurzem, das ist nicht lange her, haben wir den Begriff Sexkünstler ausgepackt. Wenn ich mich mit meinen Kumpels treffe, merke ich immer, daß Sexualität für mich einen großen Stellenwert hat, erzähle mit denen, was neu ist, wo wir Workshops, neue Tantra-Übungen gemacht haben. Dass wir immer wieder Lust haben, in den letzten Beziehungsjahren, aber auch von Anfang an, Sachen zu erforschen, auszuloten. Da würde ich sagen, dass die Sexualität für mich eine große Rolle spielt. Was ist das ausschlaggebende? Das Sein, die Lust sein. Die Lust, der intime Kontakt mit Lust.
Was ist Sexualität für dich, Anna?
Freude. Ich würde sagen, auch ein bisschen meine Droge. Irgendwann hat mich mal einer meiner Kommilitonen so provokant gefragt, weil ich bin so antidrogenmäßig drauf. Der Mensch braucht aber Drogen. Meine Freundin liest gerade ein Buch darüber. So heißt es da auch immer, über die Notwendigkeit des Rausches. Da hat er mich dann gefragt, wie ich das in meinem Leben so mache. Und dann war klar, dass Sexualität für mich Rausch ist, Abschalten, Ekstase und auch Spiritualität. Das ist Neuer. Neuer in den letzten 10 Jahren. Und da hatte ich auch schon ganz abgefahren kosmische Gefühle. Also so Verbindungen. Und auch Liebe.
Ich küsse auch total gerne. Wir küssen uns so viel. Manchmal ist es eine Herausforderung für unsere Kinder. Sie wurden schon von Schulkameraden darauf angesprochen, warum ihre/seine Eltern so viel knutschen.
Und tatsächlich war dieser Moment, was Leif gerade gesagt hat, mit dem Sexkünstlertum, das war ein Moment, der mich irgendwie so richtig gefreut und entlastet hat, mich da nochmal neu zu definieren. Also ähnlich wie man sich vielleicht auch als Tantrika definieren kann oder so, wie ich mich aber nicht definiere. Aber dieser Begriff Sexkunst, und ich bin Sexkünstlerin, war für mich auf eine Art revolutionär, weil ich damit aufgehört habe, mich zu vergleichen mit den anderen. Weil ich immer wieder dachte, was macht ihr denn, Leute? Wieso habt ihr nicht auch so viel Sex wie ich? Oder ist das nicht so wichtig für euch? Schon auch mit einer Bewertung, weil das nicht so wichtig ist. Und dann aber gleichzeitig, dass ich aufhöre, in manchen Kreisen mich so ganz wohl zu fühlen, das zu erzählen, weil ich so ein Gefühl hatte, ich beschäme auch die anderen Menschen damit. Mit meiner glücklichen Sexualität, so könnte man das sagen. Oder auch damit, dass es so einen großen Stellenwert hat in meinem Leben. Und dann war das wie so ein hey, das ist einfach meine Kunst. Und wenn ihr das anders macht und andere Formen habt, wo ihr euch künstlerisch betätigt oder auslebt, oder glücklich seid oder als Experten fühlt oder so, cool. Irgendwie war das wie eine Entspannung. Weil genau, bei dem Dozenten, der das auch genau so gesagt hat, der war Sexologe, und hat erzählt, dass sein Sexologie-Lehrer, da ging es eigentlich um die Form von Erregung, und dann ging es um Herzorgasmen und was weiß ich. Dann hat der Sexologie-Lehrer gesagt, naja, das überlassen wir den Sexkünstlern.
Dann hast du dich gemeldet.
Ja, vielleicht befinde ich mich in einer ganz kleinen Sparte von Sexkünstlern. Okay, jetzt habe ich die Welt ein bisschen besser verstanden. So hat es sich angefühlt.
Ein bisschen hat Kunst auch den Aspekt von Bühne und ein bisschen erfreuen wir uns der Bühnenpräsenz. Beim weiblichen Ejakulationsworkshop waren wir ja das Vorführpäarchen in der Mitte, was sehr aufregend war, aber auch schön. Und jetzt haben wir hier zweimal bei uns in der WG noch ein bisschen größer, wir haben versucht, Sachen weiter zu geben, die wir in unseren Tantra Workshops gelernt haben. Einmal gings um Tao Massage, das war richtig schön. Das zu zeigen, das haben wir da gelernt, wie kann man den Raum gestalten, wie kann man miteinander in Beziehung gehen und dann mit diesen Menschen das zusammen zu machen. Da hat das Bild vom Künstlertum einen Sinn für mich ergeben. Ansonsten kann man einfach sagen, das ist mein Lieblingsraum.
Das finde ich auch so.
Ja, das finde ich auch schön. Das war auch bei dem letzten Paar so, die haben das als ihr Paar-Hobby bezeichnet. Also sie verabreden sich wirklich einmal die Woche ganz bewusst für Sexualität. Und das fand ich irgendwie total schön – das einfach als Hobby zu sehen. Und den Begriff Sexkünstlerin finde ich auch cool, damit kann ich auch was anfangen.
Und das ist natürlich das eine – also da, wo es eher eine bewusste, freiwillige Entscheidung ist. Und andererseits bin ich, glaube ich, auch einfach jemand geworden, der Sex wirklich braucht und will. Und wenn ich sozusagen mit dir ein Äquivalent gefunden habe, wie es jetzt gerade ist, dass du so viel Lust hast und ich habe so viel Lust, wie es da ist und wir haben so und so oft mal Sex, dann passt es irgendwie gut.
Und mal gucken, wie es in der Zukunft ist, es kann ja auch sein, dass es sich irgendwie verändert. Und dann klappt sozusagen das Schlüsselschloss-Prinzip nicht mehr von den Bedürfnissen her. Und andererseits bin ich da auch schon gerade in einem Forschungsmodus, weil diese Tao-Paarsexualität ja zum Beispiel damit arbeitet, nicht zu ejakulieren. Der Mann, die große These, der Mann verschwendet nicht seine Samen und seine Lebenskraft, sondern behält es bei. Das heißt, trotzdem soll man ganz oft Sex haben. Bis der Schweiß von ihrer Nase fällt. Und das stellt mich aber vor so eine neue Frage, wie ist es eigentlich, wie bin ich drauf ohne Ejakulation? Und da mache ich so ne und so ne Erfahrung. Mit einerseits total schön und ich merke es auch sozusagen mehr, wenn ich nach der Ejakulation Energie verloren habe. Also sozusagen eine Stunde später, wenn ich dann koche oben, dann hänge ich durch. Und es ist definitiv anders, als wenn ich sozusagen darauf geachtet habe, ihn bei mir zu behalten.
Und ich glaube, das ist auch viel, was im Kopf passiert. Ich habe mal von einem Tantralehrer gehört, dass die Ejakulation im roten Tantra einfach dazu gehört. Was ich daran interessant fand, war dieser Gedanke, dass man, wenn man ejakuliert, diese Energie, diese Körperflüssigkeit, bewusst wieder zu sich zurückfließen lassen kann. Und das kannst du wirklich machen – es ist dann nochmal ein ganz anderes Gefühl. Gleichzeitig ist es natürlich spannend, auch damit zu forschen, wie es ist, eben nicht zu ejakulieren. Aber ich finde wichtig, dabei offen zu bleiben – nicht starr einer Theorie zu folgen, sondern immer wieder das eigene Sein darin zu finden.
Ich glaube, wir haben echt schon ganz viel besprochen. Danke.
Was mich vielleicht – auch so für andere Paare – noch interessiert:
Ihr habt ja erzählt, ihr lebt eure Sexualität sehr aktiv, sehr offen, und das finde ich total schön. Habt ihr da eigentlich so etwas wie Rituale oder eine bestimmte Haltung, die euch hilft, das mit so einer Leichtigkeit in euren Alltag zu bringen? Also wenn jetzt ein Paar sagt, „wir hätten ja schon auch Lust, aber wir kriegen das einfach nicht hin“, – was würdet ihr denen raten?
Also der größte Tipp, den wir eigentlich auch immer wieder allen möglichen Leuten geben, aber die wenigsten setzen das um: Wir nehmen uns einen Tag in der Woche frei. Wir treffen uns jeden Freitag.
Außer unser Kind ist krank. Dann ärgern wir uns. Und gleichzeitig ist das auch okay. Aber ja, wir haben eine Viertagewoche. Und dieser Freitag ist für uns. Und den verbringen wir auch gemeinsam. Also manchmal ist es hart, weil wir merken, wir müssen uns erst mal von der Woche erholen und können gar nicht irgendwelche krassen Sachen machen erst mal miteinander. Aber oft ist es so, einer von uns bereitet immer vor. Wir wechseln uns ab. Und dann ist es oft so, dass wir spazieren gehen, dass wir ein Zwiegespräch machen. Oft machen wir auch noch vorher Yoga oder irgendeine Form von Meditation oder so. Und dann machen wir öfter tantrische Rituale oder irgendwelche Spiele, die wir uns sozusagen überlegen.
Und eine Weile hatten wir das so von 8 bis 13 Uhr. Jetzt haben wir es eher noch verlängert. Also so, dass wir wirklich von 8 bis 15 Uhr frei halten für uns und nichts anderes machen. Und dann eben auch zum Beispiel zwei Stunden schlafen können, wenn wir das brauchen, um beieinander anzukommen. Das ist auf jeden Fall ein Lieblingsort für mich. Manchmal sind die Wochen ja auch so knalldicht, dass es wirklich einen Moment braucht, bis wir wieder beieinander ankommen.
Am Wochenende, das ist auch gut.
Und dann ist es so, dass wir eigentlich jeden Abend ineinander einschlafen. Also er schläft ein, ich schlafe nicht immer ein, aber wir machen so sanfte Vereinigungen, die auch ohne Erektion gehen. Also so, wo wir uns ineinander fädeln und so zusammenliegen. Und manchmal ist das ganz ruhig. Also so, dass wir wirklich einfach ineinander liegen. Manchmal atmen wir dabei. Und lassen unsere Energien kreisen. Und manchmal fangen wir dann an, Sex zu haben.
Also für mich ist das schön, weil ich dann oft in der Ruhe, also wenn Leif ganz ruhig in mir ist, ihn quasi mit meinen Muskeln massiere. Oder in mir spüre, dass das nochmal eine ganz eigene Form der Erregung und der Stimulation für mich ist. Die auch weg ist von diesem Vögelsex.
Und wir haben auch öfters einfach noch wilden Sex abends. Schnell, müde, aber komm, ich bewege mich nicht, du machst es mir, das gibt es auch öfters. Und manchmal ist es auch tatsächlich so, dass ich sage: Hey, ich bin fertig heute. 15 Minuten, mehr nicht. Und dann achten wir auch auf die Zeit. Und dann sind es halt nur 15 Minuten. Aber dafür ist es dann total schön, wenn dann am Freitag das einfach zwei Stunden dauern darf. Oder noch länger. Wir hatten uns mal vorgenommen eigentlich, dass wir experimentieren mit vier Stunden ineinander sein. Wir haben es, glaube ich, geschafft mit zweieinhalb Stunden.
Aber der größte Tipp ist der Freitag.
Wir haben schon ein volles Leben. Ein anderer würde sagen es ist Sexsucht. Und meine nächste Sucht ist Arbeitssucht, und deswegen sind die Wochen immer wieder mal ziemlich voll. Und dann gibt es die Auszeit am Freitag. Und dann gibt es den Ruhemoment bei der Vereinigung. Und dann gibt es alle halbe Jahre oder manchmal schaffen wir mehr, eine richtige, größere Auszeit. Wie so ein Tantra Seminar eine Woche. Oder wir machen öfter auch ein Pilgerwochenende, wo wir drei Tage weg sind. Um sozusagen mal runter zu kommen, anderen Kontakt zu erleben. Das finde ich schon wichtig. Das würde ich auch weitergeben, wenn es irgendjemand hören wollte. Also die größeren Auszeiten, um mal in eine andere Betriebstemperatur zu kommen. Oder anderes Gewahrwerden von dem, was so ist.
Ach so, genau, ich bin ein großer Planer. Wir haben auch wunderbar im Herbst immer ein Paar-Wochenende, wo wir zurückblicken, überlegen, wie war es und auch nach vorne schauen und uns neue Sachen festlegen. Wie heißt sie? Regina Heckert von Befree-Tantra. Die hat sehr schöne Rituale entwickelt. Das eine Paarritual, wo man sich noch mal neu verspricht. Und dann sich überlegt, was wäre wirklich das Allerschönste. Dann schenkt man sich das gegenseitig. Dann hat man sozusagen für jedes Jahr noch mal was ganz Schönes Neues. Und das machen wir seit ein paar Jahren. Das ist auch richtig gut. Also wirklich sozusagen diese Beziehung, Liebesbeziehung, die Sexualität als pflegebedeutsame, pflegebedürftige Wesen zu sehen, würde ich mal sagen.
Ja, so eine Pflanze, die immer wieder Aufmerksamkeit braucht. Sonst trocknet sie ein. Ja, ein voll schönes Bild.
Und wenn man sie pflegt, dann kann sie reiche Früchte tragen.
Das zusammen Wegfahren ist für mich auch ein wichtiger Punkt.
Und was uns auch wichtig ist, dass wir dann die Kinder weg organisieren.
Ich finde wichtig dabei die Freude. Die einfachen Gewinne. Also ich mag es ja total, wenn du enge Strumpfhosen, Leggings an hast. Oder ich schenke ihr Schlüpfer. Schon seit Jahren. Ich hab da ne riesen Freude dran und sie freut sich, weil sie schöne, teure Schlüpfer kriegt. Und das ist sozusagen eigentlich ein ganz einfacher Effekt.
Ja, schön. Ich würde sagen, das hat das Gespräch jetzt nochmal richtig rund gemacht – auch mit euren Tipps. Das greift auch schon die anderen Fragen mit auf. Zum Beispiel das Thema Selbstliebe und Selbstfürsorge – wenn man das so lebt, wie ihr das lebt, dann ist das einfach ganz selbstverständlich Teil eures Lebens. Und auch die sexuelle Autonomie – das kam am Anfang ja schon durch. Ihr seid jetzt gerade beide sehr monogam in eurer Beziehung, aber da gibt es trotzdem immer wieder Offenheit. Und du hast ja auch erzählt, dass du hin und wieder Kontakt mit Frauen hast…
Immer nur gemeinsam.
Und das fühlt sich ja stimmig und gut für euch an. Ist das sexuelle Autonomie für euch?
Ja. Also wir ringen immer wieder damit. Aber ich finde, so wie es gerade ist, ist es gut. Und wenn wieder eine neue Phase des Ringens kommt, dann ringen wir eben wieder. Das letzte Mal, als wir unsere Beziehung geöffnet haben, war es allerdings so, dass ich gemerkt habe: Das überschreitet meine Kapazitäten. Die Zeit und Energie, die es gebraucht hätte, um das wirklich gut zu gestalten, hatte ich einfach nicht. Ich stand kurz vor meiner Heilpraktiker-Prüfung, unser Leben war ohnehin schon sehr voll – und dann kam das noch obendrauf. Es war wunderschön, aber auch unglaublich herausfordernd. Und so haben wir, jede*r auf eigene Weise, die Reißleine gezogen und gesagt: So geht es gerade nicht. Dafür ist mir das alles zu wichtig, um es nur halbherzig zu machen.
Das hat auch so eine Klarheit – und so eine Ehrlichkeit mit sich selbst, mit dem, was machbar ist, und auch darin, die eigenen Grenzen wahrzunehmen. Das ist wichtig, und es ist voll schön, dass ihr da so gut mit euch im Kontakt seid – und mit allem, was dazugehört. Es war total reich und schön, mit euch zu sprechen. Ich bin echt dankbar – und es freut mich sehr, all das von euch gehört zu haben. Vielen, vielen Dank euch beiden.
Ja danke dir.
Hat voll Freude gemacht.
