Erfahrungsbericht Emily

Erfahrungsbericht Emily

Für die 3SAT Doku “Solo-Sex. Von Menschen und Tieren, die masturbieren” haben wir 30 Tage lang mit insgesamt 16 Frauen mit körperlicher Selbstliebe, vor allem mit dem Pulsator und zum Thema “vaginale Sensibilisierung” geforscht. Hier ein Auszug aus dem Forschungsbericht von Emily, einer Teilnehmenden.

“Durch die tägliche Selbstliebe-Praxis hat sich bei mir erst einmal ein Bewusstsein für körperliche Selbstliebe gebildet.
Zuvor ging es mir immer ausschließlich um einen schnellen Orgasmus und das möglichst effizient auf die eingespielte und gut funktionierende Weise. Selbstbefriedigung, auch wenn ich sie lustvoll genossen habe, hatte für mich kein wirklich gutes Image, genauso wenig wie Sex-Toys, die ich nie besessen habe.

Durch das tägliche Praktizieren ist die Selbstliebe-Praxis für mich so etwas wie ins Licht getreten. Sie ist etwas Natürliches geworden, auch dadurch, dass es Anleitungen, Vorbilder und die Möglichkeit zum Austausch in der Frauengruppe gab.
Bei all den neuen und interessanten Erfahrungen, die ich während der Zeit gemacht habe, frage ich mich, warum ich nicht selbst früher auf die Idee gekommen bin, mich zu erforschen.
Sicher lag dies auch daran, dass ich innerliche Berührungen durch mich selbst nicht besonders lustvoll empfand und nach wenigen Versuchen wieder aufgab, ich wusste ja nicht, dass es ein gewisses „Training“ braucht, um mich für diese Reize zu sensibilisieren und was es mir für Vorteile bringen kann.

Aktuell kann ich sagen, dass ich innerliche Berührungen durch mich selbst schätzen gelernt habe und sie genießen kann. Mich selbst mit den Fingern von innen zu erforschen, ist interessant und erregend, doch bei längerer Dauer auch unbequem. Deshalb habe ich den Pulsator sehr gerne benutzt. Er ist wie eine Verlängerung meiner Finger. Wenn er in mir pulsiert, habe ich es lieben gelernt, dass ich nichts tun muss und mich ganz auf meine Empfindungen konzentrieren kann.
Das ist neu, denn ich habe bemerkt, dass ich dazu tendiere, immer etwas tun zu wollen und das einfach nur Daliegen, Nichtstun und Spüren mir eher fremd sind.
Dabei konnte ich beobachten, dass sich mein Lustempfinden und meine Erregung gerade durch bewusstes Entspannen und Loslassen in Ruhe stark steigert. Selbst wenn ich manchmal keine Lust auf Selbstliebe und Pulsator habe, tut die Anwendung des Pulsators gut, denn mein Körper reagiert sehr positiv auf ihn. Entweder stellen sich unerwarteterweise (manchmal sogar recht schnell) Lustgefühle ein und ich gehe doch auf Entdeckungsreise oder ich bemerke die entspannende und mich beruhigende Wirkung.

Nach einer genussvollen Selbstliebe-Sitzung am Morgen fühle ich mich häufig wohl und genährt und gut in meinem Körper angekommen. Ich reagiere gelassener und fühle mich insgesamt gestärkt für den Tag. Damit hat die Selbstliebe-Sitzung eine ähnliche Wirkung wie eine körperliche Fitnesseinheit, nur dass sie lustvoller ist.
Leider habe ich meine Selbstliebesitzung im Alltag oft erst am Abend nach all den anderen Aufgaben „geschafft“. Es bleibt eine Aufgabe, mir hierfür bewusst schon am Vormittag Zeit zu nehmen, um tagsüber von den Vorteilen zu profitieren.

Durch die tägliche Praxis bin ich auch zum ersten Mal körperlich mit meinem Zyklus in Kontakt gekommen, was sehr erhellend war. Je mehr ich über mich weiß und je besser ich mich kenne, desto mehr fühle ich mich als „Herrin“ in meinem Körper.

Ich denke, dass sich meine vaginale Sensibilität über die 4 Wochen insgesamt erhöht hat. Das bemerke ich daran, dass ich den Pulsator erregender finde, die Entspannung meines Beckenbodens besser wahrnehme und beim Sex bemerke, dass wenn mein Partner mich mit den Fingern innerlich stimuliert, mir eher zartere Berührungen mit Pausen zum Nachspüren reichen und ich ansonsten das Gefühl habe, schneller in eine Überreizung zu gehen.

Mit Hilfe des Pulsators kann ich meinen klitoralen Orgasmus mit einem vaginalen Orgasmus koppeln, was mir ein ganz anderes Orgasmusgefühl bringt. Es ist nicht so grell und spitz, sondern eher flächig, runder und umfassender.
Allerdings stelle ich auch fest, dass ich mich bei meiner Selbstliebe immer mehr vom Wunsch (oder der Jagd) nach einem Orgasmus löse. Mein Handlungsspielraum und mein Empfinden sind größer geworden und es ist einfach schon erfüllend, die Erregungswellen und das Pulsieren in meinem Körper wahrzunehmen, mich zu spüren und dankbar zu sein für meinen wunderbaren Körper, der mir eine solche Vielzahl von Empfindungen ermöglicht – und das sogar ganz allein, unabhängig von einem Partner.

Insgesamt habe ich gelernt, dass meine körperliche Selbstliebe ein weites Feld ist und es sich lohnt, auch über den Kurs hinaus, weiterzuforschen. Es gibt wahrscheinlich noch unendlich viel zu entdecken und Entdecken, Kreativität, Lust und Erregung fühlen sich sehr lebendig an. Außerdem kann ich meine Erfahrungen bei der Selbstliebe mit meinem Partner teilen und in unser gemeinsames Ausprobieren und Entdecken einfließen lassen, was ich als große Bereicherung empfinde.

Vielen Dank für Eure Inspiration und Ermutigung.”

Heikles Gespräch

Heikles Gespräch

Der Tag an dem Papa ein heikles Gespräch führen wollte …

 

Mein lustigster Nachmittag seit langem war der, als ich vor der Praxis eines Kieferorthopäden auf der Bank saß, auf meine Tochter wartete, und dieses Buch las. Die Menschen, die an mir vorübergingen, waren sehr irritiert, weil ich die ganze Zeit lauthals lachte.

Luisa ist gerade 17 Jahre alt geworden und möchte mit ihrem Freund Justin ein Wochenende zelten gehen. Das veranlasst ihren Papa mit ihnen sprechen zu wollen, über „ein heikles Thema“, wie Luisas Mama erklärt, als er erstmal kein Wort rausbringt. Dass das spannend wird, kriegt zuerst Luisas kleine Schwester Tiffany mit, die die Oma mitschleppt und gleich auch ihren Bruder Max ruft, dem Opa folgt. Und der Nachbar kommt auch noch zufällig dazu.

Das alleine ist schon mal eine ziemlich lustige Ausgangssituation. Und wie zu erwarten, sind die Kinder natürlich aufgeklärter als ihre Eltern. Die Großeltern sind dazu auch noch sehr lässig. Und alle miteinander bringen die Eltern ganz schon zum Schwitzen.

„‘Jedenfalls‘, sagte Mama, ‚wenn sich zwei Menschen näherkommen, also ein Mann und eine Frau …“
‚Mama, ehrlich!‘, sagte Luisa. ‚Das ist ja wohl so was von altmodisch!‘ Sie wandte sich an Justin. ‚Ey, ich muss mich echt für meine heteronormativen Eltern entschuldigen.‘

‚Was heißt heteo-oma-tief?‘ fragte Tiffany.
‚Das heißt, Mama und Papa sollen nicht so tun, als würden sich nur Männer und Frauen lieben.‘, sagte die Oma.

‚Also jedenfalls, egal ob Männer oder Frauen‘, sagte Mama, ‚wenn sich zwei Menschen lieben …‘
‚Manchmal sind es auch drei‘, sagte der Opa.
‚Jetzt hörts aber auf!‘, sagte der Papa.
‚Ich mein ja nur‘, sagte der Opa.
‚Ich finde das voll cool, dass du nicht so auf die europäisch-christliche Sexualmoral fixiert bist‘, sagte Luisa.

Was dann aus diesem Gespräch noch wird und warum das dazu führt, dass der Nachbar fortan jedes Mal, wenn er einen Stecker in eine Steckdose steckte, den Kopf schüttelt und lacht und manchmal sogar die Steckdose vorher um Erlaubnis bittet, liest du am besten selbst nach.

Such dir dafür am besten irgendwo eine ruhige Bank. Viel Vergnügen!

Erfahrungsbericht Solveig

Erfahrungsbericht Solveig

Orgasmic Woman Coaching Erfahrungsbericht

Für die 3SAT Doku “Solo-Sex. Von Menschen und Tieren, die masturbieren” haben wir 30 Tage lang mit insgesamt 16 Frauen mit körperlicher Selbstliebe, vor allem mit dem Pulsator und zum Thema “vaginale Sensibilisierung” geforscht. Hier ein Auszug aus dem Forschungsbericht von Solveig, einer Teilnehmenden.

“Es gibt Vieles, das ich in meiner täglichen Selbstliebepraxis erfahren habe:

Auch, wenn ein Teil von mir immer noch gerne ab und an nach außen abdriftet, ich komme immer leichter wieder ins Spüren zurück. Lasse meinen Körper sich bewegen, wie er mag. So schön!

Kurze Momente der Leichtigkeit, die erahnen lassen, wie es sich anfühlen kann mich vorbehaltlos selbst zu lieben. Nicht nur befriedigt, sondern lustvoll zufrieden.

Ich liebe das Langsam, die Berührung selbst spüren, nachspüren, das Spiel von vorne beginnen. So wach. G-Zone, was für ein nüchternes Wort für meinen inneren Lustbereich, der immer empfindsamer wird. Mit jeder Berührung, jedem Gedanken. Streicheln, gleiten, massieren, klopfen, Wellenbewegung, zwei Finger im Wechsel – innehalten, spielen…

Immer noch bin ich überrascht, dass ein Glasplug jetzt mein Lieblingstoy für meine Vulvina ist. Und dass ich mich so auf meinen Pulsator freue, dass er jetzt direkt neben meinem Bett immer aufgeladen bereit liegt.

Was mir wirklich schwer fällt: mir in stressigen Zeiten die Zeit für mich zu nehmen. Das ist etwas, an dem ich arbeiten möchte. Ich habe gemerkt, dass ganz kleine Momente reichen, um mit mir in Verbindung zu bleiben. Und es hilft unglaublich, dass ich meine Vulvina jetzt viel leichter spüren kann. Das geht auch ohne Berührung. Überhaupt hat sich meine Körperwahrnehmung verändert. Ich spüre viel häufiger meinen Herzschlag, den Puls in meinem Körper und berühre mich viel bewusster.

Die Sensibilität in meiner Vagina hat sich definitiv deutlich verbessert. Ich kann viel besser unterscheiden, wo ich mich berühre, kann besser zwischen der Qualität der Berührung (mehr oder weniger Druck etc.) unterscheiden. Vor allem hat sich die Fläche, mit der ich spüre stark vergrößert. Auch die Erregung, die ich durch diese Berührungen spüre, ist intensiver geworden, breitet sich weiter aus und hält länger an bzw. hallt länger nach. Das „erledigt“ Gefühl ist verschwunden und reinem Genuss gewichen, der mich mit einem Lächeln begleitet.

Eine Gruppe zu haben, mit der ich mich austauschen kann, hat dabei sehr geholfen. Zu hören, dass andere ähnliche Erfahrungen gemacht haben, hilft, sich selbst weniger kritisch zu sehen. Und Begeisterung steckt einfach an! Ich werde sehen, wie ich das in meinen Alltag nehmen kann. Aber auch wenn das nicht immer klappen wird, habe ich reichlich neue Erfahrungen, zu denen ich zurück gehen kann. Ich bin jedenfalls neugierig mich weiter zu entdecken!”

Modernes Tantra

Modernes Tantra

Tantra modern: schick, hip, frisch und spaßig
Modernes Tantra

 

„Alltägliche Ekstase. Tantra-Rituale für alle Leidenschaften.“ von Barbara Carrellas ist ein wunderbares Praxis-Buch für alle Menschen, die Lust haben auf leichte und bodenständige Art tantrische Übungen kennenzulernen.

Die legendäre Sex-Performance-Künstlerin Annie Sprinkle beschreibt im Vorwort wie sie Barbara kennenlernte und schreibt, dass Tantra der „Wegweiser“ ihrer beider sexuellen Reise war. Im Lauf der Jahre, während derer Barbara in die queere Szene eingetaucht ist und Workshops leitete für Menschen, die „auf der Suche nach transformativen Erfahrungen waren, die ihrem individuellen Lebensstil und ihrer Persönlichkeit entsprachen“, sei Barbaras „ganz eigener Tantra-Stil entstanden: neu, allumfassend, schick, hip, frisch und spaßig.“ Und Annie ergänzt: „Alltägliche Ekstase gibt mir die Hoffnung, dass die Welt ein Ort sexueller Befriedigung, Ekstase, Erleuchtung für alle sein kann.

Das finde ich auch! Das Buch ist tatsächlich geeignet viele Menschen da abzuholen, wo sie gerade stehen in ihrer Sexualität. Es gibt eine kurze Einführung zur tantrischen Philosophie, entkräftet einige Mythen wie „Tantra ist eine Religion“, „Zum Tantra gehören Mann und Frau“ oder „Es wird nicht richtig gefickt“ und widmet sich der Frage was eigentlich Ekstase ist und wie wir sie erreichen können.

Nach einer kurzen Vorstellung der sieben Chakren, geht es auch schon los mit praktischen, sehr gut beschriebenen Körperübungen, alleine oder mit PartnerIn. Zwischendurch gibt es immer wieder kleine sehr wertvolle Diskurse über Achtsamkeit, Qualität von Berührung, verschiedene Arten Orgasmen zu erleben etc.

Und anschließend schreibt sie zu tantrischem BDSM, tantrischen Ritualen, Tantra in der Gruppe bis hin zu Sex als Heilung.

Schließlich endet das Buch mit einem Nachwort von Dr. Laura Méritt, unsere Berliner Aufklärungs-Ikone, deren Buch „Frauenkörper neu gesehen“ wir hier auch schon vorgestellt haben. Sie schreibt: „Ekstase ist überall und sie ist machbar. In kleinen Portionen oder großen Explosionen. Lasst uns wortwörtlich in unsere Körper hineinfallen. Das Spirituelle ist körperlich und umgekehrt. Jede und jeder und alle können es.“ YES!

Erfahrungsbericht Sanni

Erfahrungsbericht Sanni

Für die 3SAT Doku “Solo-Sex. Von Menschen und Tieren, die masturbieren” haben wir 30 Tage lang mit insgesamt 16 Frauen mit körperlicher Selbstliebe, vor allem mit dem Pulsator und zum Thema “vaginale Sensibilisierung” geforscht. Hier ein Auszug aus dem Forschungsbericht von Sanni, einer Teilnehmenden.

“Die tägliche Selbstliebepraxis hat mich sehr in meinen Körper geholt, mehr zu mir geholt. Es tat gut, mir einfach mal Zeit NUR FÜR MICH zu nehmen. Ich habe meine Yoni intensiver gespürt, auch wenn ich nur an sie gedacht habe, kam eine angenehme Wärme, manchmal auch ein Kribbeln. Ich war in der Zeit lustvoller. Ich habe neue Stellen und Empfindungen in meiner Vagina und an meiner Vulva entdeckt und auch gelernt mehr reinzuspüren, was mir gefällt und was sich nicht so gut anfühlt.

Wenn ich mir einmal die Zeit genommen habe, konnte ich mich meist gut fallen lassen. Oft war der Druck aber noch da, ein bestimmtes Ziel erreichen zu müssen. Da durfte ich auch mal lernen, diese Erwartung loszulassen.

Nicht alles von meiner Intention war für mich umsetzbar, aber ich bin dem Ganzen ein Stück näher gekommen. Bedürfnisse und Grenzen erkennen, mir Zeit lassen, mir überhaupt mal die Zeit für mich nehmen und auch dazu stehen, wenn da keine Lust da ist und ich mich nicht pushen muss. Dann nehme ich mir aber trotzdem Zeit für mich und tue mir Gutes in Form von Massage, Entspannung, Beckenboden Übungen, Yoga oder Atmen. Ich habe auf jeden Fall meine Yoni besser kennenlernen dürfen.

Ich glaube ich habe den Druck von außen gebraucht, den regelmäßigen Austausch, die Emails, das Coaching Programm und einfach zu wissen, dass andere gerade auch dabei sind und ihre Erfahrungen machen, auch wenn es mal herausfordernd ist.”

Brüste, Frauen, Geschichten

Brüste, Frauen, Geschichten

100 Frauen, ihre Brüste, ihre Geschichten

 

„bare reality: 100 women, their breasts, their stories” (Nackte Realität: 100 Frauen, ihre Brüste, ihre Geschichten) von Laura Dodsworth gibt es unseres Wissens leider bisher nicht auf Deutsch, wir möchten es dennoch hier gerne vorstellen.

Laura Dodsworth hat auch noch die Bücher „womanhood: the bare reality“ und „manhood: the bare reality” veröffentlicht. Und allen drei Büchern ist gemeinsam, dass sie die Vielfalt zeigen: die Vielfalt von Körpern und ihren Geschichten. Es werden die Bilder von Menschen gezeigt, das heißt von ihren Körpern, ihren Brüsten bzw. ihren Genitalien. Ihre Gesichter sieht man nicht, sie bleiben anonym. Und das macht es vielleicht möglich, dass sie so ehrlich ihre Geschichten erzählen: die Geschichten ihrer Brüste bzw. ihrer Genitalien.

In dem Buch über Brüste heißt es im Vorwort von Soraya Chemaly: „Als Mädchen und Frauen lernen wir oft, über unsere sich verändernden Brüste aus der Perspektive zu denken, wie sie sich für andere Menschen anfühlen – insbesondere für Männer und Babies. Mit anderen Worten: Unterhalb der Gedanken an BHs und Badeanzüge denken wir an uns in Begriffen wie Sex oder Opfer, nackt und entblößt oder tröstend und nährend.“

Laura Dodsworth zeigt „Frauen von 19 bis 101 Jahre alt, Frauen mit gesunden Brüsten, oder Frauen die Brustkrebs hatten, Frauen verschiedener Ethnien und aus allen Gesellschaftsschichten, Brüste in allen Formen und Größen, heterosexuelle, lesbische, bisexuelle, asexuelle und Transfrauen.“ Über die Bilder und in den Texten erzählen sie von der Liebe und der Beziehung zu ihren Brüsten und auch von den Schwierigkeiten diese so anzunehmen und so schön zu finden wie sie sind („zu“ klein, „zu“ groß, „zu“ hängend, „zu“ asymetrisch). Sie erzählen von den Reaktionen anderer Menschen auf ihre Brüste und was das mit ihnen gemacht hat. Sie erzählen von Schönheits-Operationen und Umgang mit Krankheit und amputierten Brüsten.

Vielen Dank an diese Frauen, die sich so ehrlich nackt zeigen. Ich schließe mich Soraya Chemaly im Vorwort an: „Die hier versammelten Geschichten sind sowohl eine markante Gegenerzählung zur Objektivierung als auch eine lautstarke Ablehnung der Auswirkungen davon. … Ich bin Laura für diese erfrischende, radikale und aufschlussreiche Subjektivierung dankbar.“

Erfahrungsbericht Sandra

Erfahrungsbericht Sandra

Für die 3SAT Doku “Solo-Sex. Von Menschen und Tieren, die masturbieren” haben wir 30 Tage lang mit insgesamt 16 Frauen mit körperlicher Selbstliebe, vor allem mit dem Pulsator und zum Thema “vaginale Sensibilisierung” geforscht. Hier ein Auszug aus dem Forschungsbericht von Sandra, einer Teilnehmenden.

“Ich bin nicht so gut darin, etwas 4 Wochen lang kontinuierlich durchzuhalten. Das Leben lockt mit immer neuen Versuchungen und ich gehe denen gerne nach – darum bin ich zunächst mal stolz auf mich, dass ich die Herausforderung angenommen und bewältigt habe.

Es gab Zeiten, in denen ich euphorisch war und Zeiten, in denen ich keine Lust auf Lust hatte – das habe ich vorher nicht erwartet.

Mein körperlicher Fokus lag von Anfang an darauf, Entspannung zusammen mit Lust zu erforschen. Mit diesem Thema bin ich beschäftigt, seit ich von der Existenz von sogenannten „Talorgasmen“ erfahren und sie erlebt habe. Ich kann so viel mehr spüren, wenn ich entspannt bin.

Meine „Hilfsmittel“ dabei sind vor allem meine Atmung und meine Stimme. Dazu kommt Bewegung, in erster Linie im Becken: schaukeln, kreisen, recken, loslassen.
Ich habe mich anfangs entschieden mit dem Pulsator zu forschen, den ich zwar schon besessen habe, der aber relativ unbenutzt meist im hinteren Teil der Schublade lag.

In meinen vier Wochen hat sich mein körperliches, wie auch mein bewusstes Verhältnis zu meinem Genital verändert. Körperlich bin ich über die Wochen pragmatischer geworden und war erstaunt, wie gut Gleitgel hilft, den Pulsator aufzunehmen und zu umschließen. Das hat mir dabei geholfen, eher auf den muskulären Effekt achten zu können und den fand ich häufig sehr angenehm und entspannend. Dabei hat sich mein Bild meines Innenraums verändert und es war mir im Alltag deutlich präsenter. Es gab Farben, die ich damit assoziiert habe, Texturen, Räume und er, oder vielleicht besser sie, ist immer wieder im Alltag in meiner Atmung präsent.

Ich fand die Unterscheidung zwischen Lust und Erregung sehr interessant und Augen öffnend. Auch in diesen Dimensionen hat sich etwas in den letzten 4 Wochen für mich verändert. Anfangs lag mein Fokus mehr auf Erregung und im Laufe der Zeit wurde die Lust und der Genuss immer wichtiger.

Mir hat auf jeden Fall das Commitment mit mir und der Gruppe sehr gut getan. Der offene Austausch war sehr wichtig für mich und absolut wohltuend, denn die Erlebnisse und Themen, die sich dort gezeigt haben, sind total vielfältig. Jede beginnt von einem anderen Punkt.

Die Regelmäßigkeit der Selbstliebepraxis hilft mir, meinen Körper immer besser kennenzulernen und damit die Basis zu schaffen, auch beim Partnersex besser zu wissen und kommunizieren zu können, was sich für mich gut und lustvoll anfühlt.

Und körperliche Selbstliebe kann so viel mehr sein, als ich dachte: Energiequelle beispielsweise oder auch ein gutes Tool, um zu mir zu kommen und Präsenz im Augenblick zu üben.

Mein genitaler Innenraum ist pulsierender, lebendiger und präsenter während der 4 Wochen geworden. Durch die regelmäßige Aktivierung hat mein Beckenboden mehr Raum bekommen. Er fühlt sich autonomer, elastischer, lustvoller an und wird schneller spürbar und aktiv.

Für mich hat es auch nochmal ein erweitertes Verständnis meiner eigenen Weiblichkeit gefördert. Das Wahrnehmen meines Genitals als aktiven und eigenständigen Körperteil, der sowohl aktiv als auch passiv sein kann, ist mir bewusster geworden.

Ich habe auch in meiner Persönlichkeit eine Entwicklung wahrgenommen: Ich bin klarer geworden, selbstbewusster und direkter. Ich bemühe mich, meine Wünsche genauer zu erforschen und dementsprechend zu handeln. Möglichst nur noch das tun, was für mich ganz individuell stimmt. Und ich bin vielfältig, detailfreudig, gebe mich nicht schnell zufrieden und möchte wachsen. Mich frei fühlen.

Ich möchte etwas dazu beisteuern diesen Erlebnisraum mehr Frauen zugänglich zu machen: Körperliche Selbstliebe zu entschämen. Das ist der Grund, warum ich über meine Erfahrungen spreche bzw. schreibe.”

Pornopositiv

Pornopositiv

Pornopositiv von Paulita Pappel
Ein Plädoyer für eine pornopositive Gesellschaft

 

Mit ihrem Buch „Pornopositiv“, das letztes Jahr erschien, hat Paulita Pappel meinen Porno-Horizont erweitert und so einige meiner bisherigen Vorurteile in Frage gestellt.
Und wenn sich ein Mensch mit dem Porno-Business auskennt, dann Paulita. Sie ist Pornodarstellerin, -regisseurin, -produzentin und Intimitätskoordinatorin. Sie leitet zwei Pornoplattformen und ist Ko-Kuratorin und Ko-Organisatorin des Pornfilmfestivals Berlin.
Über ihr Buch schreibt sie: „Dieses Buch ist eine wahre Geschichte über meinen eigenen sexuellen Weg und über Sex vor und hinter den Pornokulissen. Es ist ein Plädoyer für sexuelle Selbstbestimmung und eine Ressource, um die Welt sexuell freier zu gestalten.

Dafür braucht es ihrer Meinung nach eine „differenzierte öffentliche Debatte“ über Pornos. Sie findet es wichtig „pornopositiv“ zu sein und definiert das folgendermaßen:
„Pornopositiv heißt, auf einer gesellschaftlichen sowie persönlichen Ebene die Scham und die Angst gegenüber expliziter Sexualität abzulegen, die Vielfalt von Körpern, Sexualitäten und Sexualpraktiken anzuerkennen und die Darstellung davon in all ihrer Diversität zu fördern, Fantasien als gesunden Teil der menschlichen Sexualität zu verstehen und für Aufklärung zu sorgen. Und dabei die sexuelle Selbstbestimmung als Menschenrecht zu definieren und zu schützen und Einvernehmlichkeit als unabdingbaren Grundsatz zu etablieren.

Sie schreibt über Scham, Erotik und Wiederaneignung des eigenen Körpers, sowie über sexualisierte Gewalt, Ethik und Konsens.

Was mich an Paulitas Ansatz unter anderem begeistert, ist die Idee Pornos aus der Schmuddel- und Heimlichkeitsecke herauszuholen und sie für Aufklärung zu nutzen. Gerade bei jungen Menschen, die ja sowieso mehr über das Internet lernen als über irgendetwas anderes, ist das eine wunderbare Gelegenheit! Warum nicht altersgerecht Pornos für sie so gestalten, dass sie darüber ein positives Bild von Sexualität bekommen und sich trauen ihre eigenen Wünsche zu erforschen?! Aufklärung über Anatomie und Diversität von Körpern und Genitalien, über Mythen, Konsens, Safer Sex und anderes könnte dabei eine Rolle spielen. Und auch im Sexualkundeunterricht sollte über Pornographie gesprochen werden und darüber, dass Porno nicht gleich Porno ist!

Paulita Pappel will Porno neu definieren. Für sie setzt Pornografie Einvernehmen voraus. „Denn alles, was nicht im gegenseitigen Einverständnis stattfindet, ist keine Pornografie, sondern eine Straftat.“ Und es ist spannend, was sie über ihre Arbeit als Intimitätskoordinatorin berichtet. Zum Beispiel wird sich beim Bodymapping jede*r Darsteller*in aller Körperbereiche bewusst, indem er/sie sich berührt und die eigenen Vorlieben und Grenzen kommuniziert. Davon könnten sich viele Menschen für ihr privates Sexleben einiges abschauen.

Wir sollten damit aufhören „Pornos zum Sündenbock für Sexismus zu machen“, meint Paulita. Als Frau Pornos zu drehen, ist für sie revolutionär. „Pornos zu drehen unterwandert die Logik, die Frauen immer als potenzielle Opfer einer männlichen Sexualität ansieht. In einer patriarchalen Vergewaltigungskultur wird Frauen ein aus ihnen selbst kommender Sexulatrieb abgesprochen. … Revolutionär ist es, das umgekehrt zu denken: Anstatt uns zum Schutz zu verstecken, zeigen wir uns in unserer Sexualität, wir leben sie aus. … Wir sind nicht sexuell verfügbar, wir sind sexuell selbstbestimmt.

Weiter so, Paulita! Wir wollen noch viele Pornos von dir sehen!

Poor Things

Poor Things

Film Poor Things
SchauLust: Bella liebt das Leben!

 

Der Kino-Film „Poor Things“ ist ein britischer Spielfilm von Giorgos Lanthimos aus dem Jahr 2023 und läuft aktuell in den Kinos.
Er basiert auf dem gleichnamigen Roman von Alasdair Gray und wird von der Filmkritik als „feministische Frankenstein-Variation“, „urkomische Sex-Satire“ und „Steampunk-Update“ bezeichnet.

Bei den Filmfestspielen von Venedig erklärte der Regisseur: “Dieser Film ist vor allem die Hauptfigur Bella Baxter, dieses unglaubliche Wesen, und sie würde ohne Emma Stone, ein weiteres unglaubliches Wesen, nicht existieren.”
Und so ging es uns genauso wie den meisten Figuren im Film, vor allem den Männern, und vermutlich auch den meisten Zuschauer*innen: Wir sind dieser Bella Baxter von der ersten Sekunde an verfallen. Sie ist wild, sinnlich und voller Lebensenergie. Sie will sich und die Welt entdecken, erforschen und aus vollen Zügen genießen. Das sei ihr Entdeckerblut, sagt sie. Dem folgt sie ganz hemmungslos und selbstbewusst und lässt sich dabei von niemandem aufhalten. Und dabei – und gerade deshalb – ist sie atemberaubend schön!

Emma Stone selbst beschrieb ihre Rolle bei der Golden Globes Verleihung so:
Bella falls in love with life itself – rather than a person“ (Bella verliebt sich in das Leben selbst – und nicht in eine Person)

Der körperliche Genuss spielt dabei für sie eine große Rolle. Es ist wahrlich eine große Freude, ihr dabei zuzusehen, wie sie anfangs spielerisch ihre Möglichkeiten entdeckt: Wie sie sich bewegt, über ihre Stimme und mit Gegenständen Geräusche macht und am Tisch unbedarft aussortiert, was schmeckt und was nicht. Und wie sie schließlich erfährt, was sich mit Obst und Gemüse noch für Freuden erleben lassen.
Wunderbar die erste sexuelle Szene, in der sie am Tisch mit einem Apfel masturbiert und feststellt: „Bella hat etwas entdeckt … Wie ich mich selbst glücklich mache.

Als sie später auf ihrer Reise Martha trifft, eine Frau, die sehr viel älter ist als sie und die ihr erklärt, dass sie schon lange keinen Sex mit Männern mehr habe, ist Bella schockiert und sagt zu ihr:
Ich hoffe sie benutzen Ihre Hände zwischen Ihren Beinen, um sich glücklich zu machen!

Mit ihrem Liebhaber genießt sie anfangs Sex so oft wie möglich und versteht gar nicht, warum es nicht für alle das Wichtigste im Leben ist: „Warum machen das die Leute nicht ständig?“
Und als sie dann im Bordell und anderswo feststellen muss, dass die wenigsten Menschen ihre Bedürfnisse erfüllen können, fährt sie wieder nach Hause und gestaltet sich ihr Leben so, wie es ihr gefällt.

Bella, we love you!

Auch in der körperorientierten Arbeit von Mara und Vivien (Sexological Bodywork, Sexocorporel, Holistic Bodywork) geht es darum den eigenen Körper kennen und lieben zu lernen und darüber in die eigene Kraft zu kommen. Wenn du daran Interesse hast, dich in Einzelsessions oder gemeinsam mit deinem*r Partner*in begleiten zu lassen, schreib uns gerne an über info@orgasmic-woman.com oder kontaktiere Mara oder Vivien direkt über ihre eigenen Webseiten.

Klitoris

Klitoris

Klitoris
Clit. Die aufregende Geschichte der Klitoris

 

Dieses Werk von der Kulturwissenschaftlerin und Geschlechterforscherin Louisa Lorenz wird zu einem der Bücher, die wir allen Menschen, die sich für ihren Körper, ihre Sexualität und die Geschichte der Geschlechterbeziehungen interessieren, zukünftig dringend empfehlen werden.

„Das Wissen über die Klitoris ist tatsächlich für uns alle relevant, denn es berührt unser aller Leben auf unterschiedlichen Ebenen. Auf der größeren Ebene unserer Gesellschaft geht es zunächst einmal einfach um die Gleichbehandlung von Menschen und Körpern. … Außerdem werden aus der ungleichen Repräsentation von Penis uns Klitoris auch unterschiedliche Vorstellungen von „männlicher“ und „weiblicher“ Sexualität abgeleitet und verfestigt. … Die Vorstellung, dass Penis und Vagina nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip zueinanderpassen, ist außerdem ein Bild, bei dem eine fortpflanzungs- und nicht eine lustorientierte Sexualität im Vordergrund steht.“

Als ich das Buch zuerst in die Hand nahm, nahm ich an, dass es sich einreihen würde in die Stimmen, die seit Jahren bei der Wiederentdeckung der Klitoris als Lustorgan die Orgasmusfähigkeit über die Vagina in Frage stellen. Seit Beginn von Orgasmic Woman versuchen wir der Vagina wieder eine Bedeutung in der weiblichen Sexualität zu geben; eine Gleichwertigkeit neben der Klitoris. Wir wünschen uns eine Wertschätzung unseres gesamten Geni(t)als und keine Hierarchie!
Ich überflog das Buch daher zuerst nur, blieb aber bei dem Kapitel „Die Abwertung der Vagina“ hängen. Da schreibt Louisa: „Den Feminist*innen, deren Ziel es war sich gegen all das aufzulehnen, was die vaginale Sexualität zu diesem Zeitpunkt repräsentierte, kamen Studien sehr gelegen, die eine Unempfindlichkeit der Vagina wissenschaftlich bestätigten. … Die Unempfindlichkeit der Vagina zu betonen, sollte Frauen darin bestätigen und ermutigen, sich einer Sexualitätsnorm zu widersetzen, die ihre Lust nicht bedachte.“ Und sie kommentiert das mit den Worten: „Zu sehen, dass gerade Frauen in einem feministischen Kontext ihren eigenen Körper so sehr abwerteten, macht mich persönlich trotzdem traurig.“

Daraufhin beschloss ich das Buch zu lesen. Und tatsächlich habe ich noch einiges gelernt. Louisa bringt in ihrem Buch nicht nur sehr detaillierte Fakten zur Anatomie der Klitoris, sie setzt sich wie wir auch sehr differenziert mit der Sprache auseinander. Sie schreibt außerdem über unsere Defizite im Lernen von Sexualität, über die Wichtigkeit der Kommunikation, über das Unwissen der Mediziner*innen und über Medizingeschichte, unter anderem zu unserem Umgang mit der Praxis der Klitorisentfernung. Und sie schreibt eine Kulturgeschichte der Klitoris, wobei sie sich schließlich auch mit neuen Mythen, wie der Erfindung des Vibrators und dem vaginalen Orgasmus laut Freud auseinandersetzt.

Es bleibt ein Buch über die Klitoris. Louisa schreibt kaum etwas zur eigentlichen Anatomie der Vagina und ihrer möglichen Sensibilität. Und auf ihren letzten Seiten zu unserem heutigen eingeschränkten Verständnis von Sexualität und des Orgasmusdrucks würde ich mir wünschen, dass sie diesen „OrgasMuss“ noch mehr als Konzept hinterfragt, so wie sie anderes in ihrem Buch kritisch hinterfragt. Aber das, was sie schreibt, zur Klitoris und ihrer Geschichte, habe ich so detailliert und differenziert noch nie gelesen und ist für mich daher ein absolutes Muss!