Sex in Berlin

Ein Streifzug durch die Berliner sexpositive Szene

 

Nike Wessel, bekannt durch den Podcast Sex in Berlin, beschreibt ihr gleichnamiges Buch von dem jungen Berliner Verlag Vast Chili Nova als „wie ein Sonntagmorgen in Berlin: verkatert, nackt und unvergesslich“.
Und tatsächlich fühlt sich die Lektüre genau so an: ein sinnlicher, politischer, tief persönlicher Streifzug durch die Berliner Sexpositive-Szene – mit Witz, Klarheit und Haltung erzählt.

Es ist ein Buch über Berlin als Möglichkeitsraum: Eine Stadt, in der sich queere, kreative, sexpositive Lebens- und Liebensformen entfalten können. Und es ist ein Buch über die Menschen, die diese Räume gestalten. Nike stellt Clubs und Initiativen wie das SchwuZ (das aktuell ums Überleben kämpft – bitte supporten!), das IKSK, das Karada House, Pornceptual oder die Frauen Temple Nights von Lenia Soley vor. Sie porträtiert Pionierinnen wie Laura Méritt von Sexclusivitäten, Paare wie Liebelei, Sexarbeiterinnen vom Paramour Collective und Performer*innen wie Pauline Marie-Antoinette oder die Velvet Creepers.

Dabei bleibt sie nicht außen vor, sondern berichtet auch von ihren eigenen Erfahrungen – etwa von ihrer ersten Nacktparty, bei der sie das erste Mal etwas erlebte, das sie heute die „Power of Sex“ nennt: Die Kraft, die aus der Verbindung zum eigenen Körper und zu anderen entsteht. Ihre Reise durch die Berliner Szene ist gleichzeitig ein persönlicher Transformationsprozess – humorvoll, offen, politisch und ohne sich etwas vorzumachen.

Sexpositivität definiert Nike dabei nicht als bloße Toleranz, sondern als aktive Feier der sexuellen Vielfalt – natürlich auf Basis von Konsens und Selbstbestimmung. Feministische Bewegungen haben diese Kultur mitgeprägt, aber Nike weist auch auf Widersprüche hin: Denn patriarchale und diskriminierende Strukturen machen auch vor sexpositiven Räumen nicht halt. Ihr Appell ist deutlich:
„Die sexpositive Bewegung ist wie die Demokratie kein Selbstläufer – sie muss verteidigt werden.“

Passend dazu beginnt das Buch mit drei starken feministischen Stimmen:

  • Mit Emilia Roig spricht sie darüber, dass Sexualität und Liebe zwar intim sind, aber auch zutiefst politisch – geprägt durch Sexismus, Rassismus, Heteronormativität.
  • Mit Katja Lewina geht es um Endlichkeit und wie Vergänglichkeit unseren Umgang mit Lust verändert.
  • Mithu Sanyal fordert eine Gesellschaft, die nicht nur sexualisierte Gewalt thematisiert, sondern auch Raum schafft für Lust, Bedürfnisse und sexuelle Menschenrechte – schon in der Schule.

 

So geht Sex in Berlin weit über einzelne Nächte oder Clubs hinaus. Es ist ein Plädoyer für eine sexuelle Kultur, die frei, vielfältig und bewusst gelebt werden kann – auch im Alltag. Eine Kultur, die verbindet, Kraft gibt und Raum lässt, um sich selbst immer wieder neu zu entdecken.
Ein inspirierendes, leidenschaftliches und wichtiges Buch – nicht nur für Berliner*innen.

Orgasmic Parents

Orgasmic Parents – Unser neues Buch erscheint bald!

 

Nach dem großen Erfolg von Orgasmic Woman freuen wir uns riesig, euch endlich von unserem nächsten Herzensprojekt zu erzählen: Orgasmic Parents: Eltern werden – Paar bleiben! erscheint am 14. Oktober 2025 – und du kannst es jetzt schon vorbestellen!

Das Buch ist wie ein Geschwisterchen für Orgasmic Woman: liebevoll, mutig und vollgepackt mit Inspiration, Wissen und praktischen Impulsen für eine erfüllte Sexualität – und wieder vielfältig, tabulos und wundervoll illustriert und gestaltet von Natalia Alicja Dziwisch. Diesmal mit dem Fokus auf die Herausforderungen und Chancen, die die Zeit von Schwangerschaft, Geburt und Elternsein für Nähe, Lust und Intimität mit sich bringt. Denn ja, Eltern sein verändert vieles – aber nicht das Recht auf eine lebendige Sexualität!

Ein Arbeitsbuch genauso wie ein Schmuckstück und Geschenk für alle, die Eltern werden wollen oder schon Eltern sind.
Jetzt vorbestellen & signiertes Exemplar sichern!

Wenn du das Buch hier bestellst, bekommst du nicht nur ein signiertes Exemplar mit einer kleinen persönlichen Überraschung, sondern unterstützt uns auch direkt als Autorinnen. Die Autorenwelt-Plattform zahlt zusätzlich ein faires Honorar pro verkauftem Buch aus – so hilfst du aktiv mit, unsere Arbeit in die Welt zu bringen. Vielen Dank!

Natürlich ist das Buch auch in jeder anderen Online-Buchhandlung vorbestellbar – aber über die Autorenwelt freuen wir uns besonders!

Workshops zum Buch: Werdet “Orgasmic Parents”!

Parallel zur Buchveröffentlichung wird es auch begleitende Workshops geben, in denen wir gemeinsam tiefer in die Inhalte eintauchen:

  • Wie verändert sich eure Sexualität, wenn ihr Eltern werdet?
  • Wie bleibt Intimität lebendig im Familienalltag?
  • Und wie können wir bewusst Räume für unsere Sexualität als Eltern schaffen – jenseits von Leistungsdruck oder Idealen?

 

Alle Infos zum Workshop und zur Anmeldung findest du hier .

Noch kein Orgasmic Woman Exemplar?

Auch unser erstes Buch Orgasmic Woman: Deine Lust ist deine Kraft. kannst du jetzt bei der Autorenwelt bestellen oder weiterhin direkt im Orgasmic Woman Shop.

Wir freuen uns riesig, diesen Weg mit euch gemeinsam zu gehen – hin zu mehr Selbstbestimmung, Intimität und Lust im Alltag von Frauen* und Eltern.

Herzlichst deine
Mara & Vivien und dein Orgasmic Team

Gleichstellung

Ich wollte nur noch feministisch ficken. Aber ist das überhaupt möglich?

 

Mit dieser Frage bringt Cleo Libro den inneren Widerspruch vieler feministischer Menschen auf den Punkt – und legt in ihrem Buch Gleichstellung. Sex zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Ein feministischer Selbstversuch radikal offen, wie tief der Widerspruch zwischen unserer Lust und dem Wunsch nach Gleichstellung in unsere Körper und Fantasien eingeschrieben ist.

Das Buch liest sich leichtfüßig, fast wie ein Tagebuch, mit trockenem Humor, Selbstironie und scharfer Analyse. Cleo nimmt uns mit in ihre Erfahrungen mit Lust, Dating, Körperlichkeit, Grenzverwirrungen und Widersprüchen zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Dabei bleibt sie stets bei sich – und wird gerade dadurch exemplarisch.

Sie stellt unbequeme Fragen:

Warum reizen mich Machtgefälle?
Wieso tauchen in meinen Fantasien oft klassische Klischees auf – gerade die, die ich eigentlich überwunden glaubte?
Was ist mit Konsens – und warum fühlt sich der manchmal eher wie ein Lustkiller an?
Was, wenn ich „eigentlich“ Gleichberechtigung will, aber in der Praxis anders handle?

Cleo kommt nicht mit einfachen Antworten. Sie beschreibt vielmehr den Zwischenzustand, in dem sich viele bewegen: zwischen feministischer Theorie und gelebter Intimität. Zwischen Idealen und hormonellen Realitäten. Zwischen Selbstbestimmung und der Lust am Kontrollverlust.

Spoilerwarnung!
Am Ende wird das Buch nicht hoffnungslos – im Gegenteil.
Cleo entdeckt:

  • Konsens kann anregend sein – wenn er aktiv gestaltet wird.
  • Fantasien dürfen widersprüchlich sein – und zeigen uns trotzdem (oder gerade deshalb) unsere realen Grenzen.
  • Körperliche Erregung bedeutet nicht automatisch Zustimmung – ein wichtiges Thema, das auch in unserem Buch Orgasmic Woman ein eigenes Kapitel hat.
  • Wenn wir Penis-in-Vulvina-Sex (PiV) weder idealisieren noch abwerten, entsteht Raum für eine echte Vielfalt der Praktiken.
    Selbstbestimmung schließt Verführung nicht aus.

Außerdem geht es im Buch auch um Solo-Sex, Orgasmusdruck, den Unterschied zwischen Sex in Beziehungen und im unverbindlichen Rahmen – und um die Frage, warum feministische Verhütung immer noch ein ungelöstes Problem bleibt.

Auf Seite 140 gibt’s übrigens eine kleine, liebevolle Erwähnung unseres Orgasmic Woman-Coachings – und auch in unserem Orgasmic Woman Buch findet Cleo ihren Platz mit einem kurzen Beitrag.

Fazit:
Gleichstellung ist keine Anleitung zum „richtig feministischen Sex“ – sondern ein kluges, verletzliches, mutiges Buch, das Lust und Politik zusammendenkt, ohne sie glattzubügeln.
Ein Muss für alle, die sich fragen:
Wie frei bin ich wirklich in meiner Lust?
Und wie kann ich mir meine Freiheit (zurück)erobern?

Smoke Sauna Sisterhood

SchauLust: Sauna, Schwesternschaft, Selbstermächtigung

 

Smoke Sauna Sisterhood ist ein zutiefst bewegender Dokumentarfilm von 2023 aus Estland. Regisseurin Anna Hints schafft mit poetischer Kraft und großer Sensibilität einen Raum, in dem Frauen sich öffnen, erzählen, schweigen – und gemeinsam ihre Gefühle ins Fließen bringen.

Im Zentrum steht die traditionelle Rauchsauna – ein uralter Ort weiblicher Zusammenkunft und Reinigung, körperlich wie seelisch. Bereits die Vorbereitungen werden liebevoll gezeigt: wie das Feuer behutsam entfacht, Birkenzweige gepflückt und das Wasser aus der Natur geholt wird. Alles folgt einem stillen Rhythmus, der weit mehr ist als Routine – ein Ritual des Ankommens und der Achtsamkeit.
Während der heiße Dampf die Kamera beschlägt und nackte Körper im Halbdunkel verschwimmen, beginnen die Frauen zu sprechen: über ihre tiefsten Verletzungen und größten Sehnsüchte, über Liebe und Verlust, über Gewalt und Selbstermächtigung. Ihre Stimmen sind leise und zugleich voller Kraft. Ihre Geschichten sind individuell – und zugleich kollektive weibliche Erfahrung. Dabei sind sie füreinander da, halten einander, wortlos und doch tief verbunden.

Die Kamera bleibt zurückhaltend, beobachtend, niemals voyeuristisch. Der Film lässt die Bilder atmen, das Schweigen wirken und Nähe entstehen. Man hört das Prasseln des Wassers auf heißen Steinen, das Singen und Tönen der Frauen, das rhythmische Schlagen der Birkenzweige – eine rituelle Geste der Befreiung. Immer wieder steigen sie, zu jeder Jahreszeit, in den kalten, manchmal eisbedeckten See – ein Akt der Lebendigkeit, des Loslassens, der Erneuerung.

Smoke Sauna Sisterhood ist kein Film, den man einfach nur sieht – man spürt ihn. Er geht unter die Haut, weil er so ehrlich ist, so roh, so berührend. Weil er zeigt, wie lebensnotwendig Räume sind, in denen Menschen einander zuhören, ohne zu urteilen. Räume, in denen Körper keine Objekte sind, sondern Zuhause. Räume, in denen Schweigen gebrochen und zugleich gehalten wird.

Ein poetisches, feministisches, zutiefst menschliches Werk. Und eine Einladung: zum Lauschen, zum Fühlen – und zum gemeinsamen Schwitzen.

Auch in der körperorientierten Arbeit von Mara und Vivien (Sexological Bodywork, Sexocorporel, Holistic Bodywork) geht es darum den eigenen Körper kennen und lieben zu lernen und darüber in die eigene Kraft zu kommen. Wenn du daran Interesse hast, dich in Einzelsessions oder gemeinsam mit deinem*r Partner*in begleiten zu lassen, schreib uns gerne an über info@orgasmic-woman.com oder kontaktiere Mara oder Vivien direkt über ihre eigenen Webseiten.

Modernes Tantra

Tantra modern: schick, hip, frisch und spaßig
Modernes Tantra

 

„Alltägliche Ekstase. Tantra-Rituale für alle Leidenschaften.“ von Barbara Carrellas ist ein wunderbares Praxis-Buch für alle Menschen, die Lust haben auf leichte und bodenständige Art tantrische Übungen kennenzulernen.

Die legendäre Sex-Performance-Künstlerin Annie Sprinkle beschreibt im Vorwort wie sie Barbara kennenlernte und schreibt, dass Tantra der „Wegweiser“ ihrer beider sexuellen Reise war. Im Lauf der Jahre, während derer Barbara in die queere Szene eingetaucht ist und Workshops leitete für Menschen, die „auf der Suche nach transformativen Erfahrungen waren, die ihrem individuellen Lebensstil und ihrer Persönlichkeit entsprachen“, sei Barbaras „ganz eigener Tantra-Stil entstanden: neu, allumfassend, schick, hip, frisch und spaßig.“ Und Annie ergänzt: „Alltägliche Ekstase gibt mir die Hoffnung, dass die Welt ein Ort sexueller Befriedigung, Ekstase, Erleuchtung für alle sein kann.

Das finde ich auch! Das Buch ist tatsächlich geeignet viele Menschen da abzuholen, wo sie gerade stehen in ihrer Sexualität. Es gibt eine kurze Einführung zur tantrischen Philosophie, entkräftet einige Mythen wie „Tantra ist eine Religion“, „Zum Tantra gehören Mann und Frau“ oder „Es wird nicht richtig gefickt“ und widmet sich der Frage was eigentlich Ekstase ist und wie wir sie erreichen können.

Nach einer kurzen Vorstellung der sieben Chakren, geht es auch schon los mit praktischen, sehr gut beschriebenen Körperübungen, alleine oder mit PartnerIn. Zwischendurch gibt es immer wieder kleine sehr wertvolle Diskurse über Achtsamkeit, Qualität von Berührung, verschiedene Arten Orgasmen zu erleben etc.

Und anschließend schreibt sie zu tantrischem BDSM, tantrischen Ritualen, Tantra in der Gruppe bis hin zu Sex als Heilung.

Schließlich endet das Buch mit einem Nachwort von Dr. Laura Méritt, unsere Berliner Aufklärungs-Ikone, deren Buch „Frauenkörper neu gesehen“ wir hier auch schon vorgestellt haben. Sie schreibt: „Ekstase ist überall und sie ist machbar. In kleinen Portionen oder großen Explosionen. Lasst uns wortwörtlich in unsere Körper hineinfallen. Das Spirituelle ist körperlich und umgekehrt. Jede und jeder und alle können es.“ YES!

Brüste, Frauen, Geschichten

100 Frauen, ihre Brüste, ihre Geschichten

 

„bare reality: 100 women, their breasts, their stories” (Nackte Realität: 100 Frauen, ihre Brüste, ihre Geschichten) von Laura Dodsworth gibt es unseres Wissens leider bisher nicht auf Deutsch, wir möchten es dennoch hier gerne vorstellen.

Laura Dodsworth hat auch noch die Bücher „womanhood: the bare reality“ und „manhood: the bare reality” veröffentlicht. Und allen drei Büchern ist gemeinsam, dass sie die Vielfalt zeigen: die Vielfalt von Körpern und ihren Geschichten. Es werden die Bilder von Menschen gezeigt, das heißt von ihren Körpern, ihren Brüsten bzw. ihren Genitalien. Ihre Gesichter sieht man nicht, sie bleiben anonym. Und das macht es vielleicht möglich, dass sie so ehrlich ihre Geschichten erzählen: die Geschichten ihrer Brüste bzw. ihrer Genitalien.

In dem Buch über Brüste heißt es im Vorwort von Soraya Chemaly: „Als Mädchen und Frauen lernen wir oft, über unsere sich verändernden Brüste aus der Perspektive zu denken, wie sie sich für andere Menschen anfühlen – insbesondere für Männer und Babies. Mit anderen Worten: Unterhalb der Gedanken an BHs und Badeanzüge denken wir an uns in Begriffen wie Sex oder Opfer, nackt und entblößt oder tröstend und nährend.“

Laura Dodsworth zeigt „Frauen von 19 bis 101 Jahre alt, Frauen mit gesunden Brüsten, oder Frauen die Brustkrebs hatten, Frauen verschiedener Ethnien und aus allen Gesellschaftsschichten, Brüste in allen Formen und Größen, heterosexuelle, lesbische, bisexuelle, asexuelle und Transfrauen.“ Über die Bilder und in den Texten erzählen sie von der Liebe und der Beziehung zu ihren Brüsten und auch von den Schwierigkeiten diese so anzunehmen und so schön zu finden wie sie sind („zu“ klein, „zu“ groß, „zu“ hängend, „zu“ asymetrisch). Sie erzählen von den Reaktionen anderer Menschen auf ihre Brüste und was das mit ihnen gemacht hat. Sie erzählen von Schönheits-Operationen und Umgang mit Krankheit und amputierten Brüsten.

Vielen Dank an diese Frauen, die sich so ehrlich nackt zeigen. Ich schließe mich Soraya Chemaly im Vorwort an: „Die hier versammelten Geschichten sind sowohl eine markante Gegenerzählung zur Objektivierung als auch eine lautstarke Ablehnung der Auswirkungen davon. … Ich bin Laura für diese erfrischende, radikale und aufschlussreiche Subjektivierung dankbar.“

Pornopositiv

Pornopositiv von Paulita Pappel
Ein Plädoyer für eine pornopositive Gesellschaft

 

Mit ihrem Buch „Pornopositiv“, das letztes Jahr erschien, hat Paulita Pappel meinen Porno-Horizont erweitert und so einige meiner bisherigen Vorurteile in Frage gestellt.
Und wenn sich ein Mensch mit dem Porno-Business auskennt, dann Paulita. Sie ist Pornodarstellerin, -regisseurin, -produzentin und Intimitätskoordinatorin. Sie leitet zwei Pornoplattformen und ist Ko-Kuratorin und Ko-Organisatorin des Pornfilmfestivals Berlin.
Über ihr Buch schreibt sie: „Dieses Buch ist eine wahre Geschichte über meinen eigenen sexuellen Weg und über Sex vor und hinter den Pornokulissen. Es ist ein Plädoyer für sexuelle Selbstbestimmung und eine Ressource, um die Welt sexuell freier zu gestalten.

Dafür braucht es ihrer Meinung nach eine „differenzierte öffentliche Debatte“ über Pornos. Sie findet es wichtig „pornopositiv“ zu sein und definiert das folgendermaßen:
„Pornopositiv heißt, auf einer gesellschaftlichen sowie persönlichen Ebene die Scham und die Angst gegenüber expliziter Sexualität abzulegen, die Vielfalt von Körpern, Sexualitäten und Sexualpraktiken anzuerkennen und die Darstellung davon in all ihrer Diversität zu fördern, Fantasien als gesunden Teil der menschlichen Sexualität zu verstehen und für Aufklärung zu sorgen. Und dabei die sexuelle Selbstbestimmung als Menschenrecht zu definieren und zu schützen und Einvernehmlichkeit als unabdingbaren Grundsatz zu etablieren.

Sie schreibt über Scham, Erotik und Wiederaneignung des eigenen Körpers, sowie über sexualisierte Gewalt, Ethik und Konsens.

Was mich an Paulitas Ansatz unter anderem begeistert, ist die Idee Pornos aus der Schmuddel- und Heimlichkeitsecke herauszuholen und sie für Aufklärung zu nutzen. Gerade bei jungen Menschen, die ja sowieso mehr über das Internet lernen als über irgendetwas anderes, ist das eine wunderbare Gelegenheit! Warum nicht altersgerecht Pornos für sie so gestalten, dass sie darüber ein positives Bild von Sexualität bekommen und sich trauen ihre eigenen Wünsche zu erforschen?! Aufklärung über Anatomie und Diversität von Körpern und Genitalien, über Mythen, Konsens, Safer Sex und anderes könnte dabei eine Rolle spielen. Und auch im Sexualkundeunterricht sollte über Pornographie gesprochen werden und darüber, dass Porno nicht gleich Porno ist!

Paulita Pappel will Porno neu definieren. Für sie setzt Pornografie Einvernehmen voraus. „Denn alles, was nicht im gegenseitigen Einverständnis stattfindet, ist keine Pornografie, sondern eine Straftat.“ Und es ist spannend, was sie über ihre Arbeit als Intimitätskoordinatorin berichtet. Zum Beispiel wird sich beim Bodymapping jede*r Darsteller*in aller Körperbereiche bewusst, indem er/sie sich berührt und die eigenen Vorlieben und Grenzen kommuniziert. Davon könnten sich viele Menschen für ihr privates Sexleben einiges abschauen.

Wir sollten damit aufhören „Pornos zum Sündenbock für Sexismus zu machen“, meint Paulita. Als Frau Pornos zu drehen, ist für sie revolutionär. „Pornos zu drehen unterwandert die Logik, die Frauen immer als potenzielle Opfer einer männlichen Sexualität ansieht. In einer patriarchalen Vergewaltigungskultur wird Frauen ein aus ihnen selbst kommender Sexulatrieb abgesprochen. … Revolutionär ist es, das umgekehrt zu denken: Anstatt uns zum Schutz zu verstecken, zeigen wir uns in unserer Sexualität, wir leben sie aus. … Wir sind nicht sexuell verfügbar, wir sind sexuell selbstbestimmt.

Weiter so, Paulita! Wir wollen noch viele Pornos von dir sehen!

Poor Things

Film Poor Things
SchauLust: Bella liebt das Leben!

 

Der Kino-Film „Poor Things“ ist ein britischer Spielfilm von Giorgos Lanthimos aus dem Jahr 2023 und läuft aktuell in den Kinos.
Er basiert auf dem gleichnamigen Roman von Alasdair Gray und wird von der Filmkritik als „feministische Frankenstein-Variation“, „urkomische Sex-Satire“ und „Steampunk-Update“ bezeichnet.

Bei den Filmfestspielen von Venedig erklärte der Regisseur: “Dieser Film ist vor allem die Hauptfigur Bella Baxter, dieses unglaubliche Wesen, und sie würde ohne Emma Stone, ein weiteres unglaubliches Wesen, nicht existieren.”
Und so ging es uns genauso wie den meisten Figuren im Film, vor allem den Männern, und vermutlich auch den meisten Zuschauer*innen: Wir sind dieser Bella Baxter von der ersten Sekunde an verfallen. Sie ist wild, sinnlich und voller Lebensenergie. Sie will sich und die Welt entdecken, erforschen und aus vollen Zügen genießen. Das sei ihr Entdeckerblut, sagt sie. Dem folgt sie ganz hemmungslos und selbstbewusst und lässt sich dabei von niemandem aufhalten. Und dabei – und gerade deshalb – ist sie atemberaubend schön!

Emma Stone selbst beschrieb ihre Rolle bei der Golden Globes Verleihung so:
Bella falls in love with life itself – rather than a person“ (Bella verliebt sich in das Leben selbst – und nicht in eine Person)

Der körperliche Genuss spielt dabei für sie eine große Rolle. Es ist wahrlich eine große Freude, ihr dabei zuzusehen, wie sie anfangs spielerisch ihre Möglichkeiten entdeckt: Wie sie sich bewegt, über ihre Stimme und mit Gegenständen Geräusche macht und am Tisch unbedarft aussortiert, was schmeckt und was nicht. Und wie sie schließlich erfährt, was sich mit Obst und Gemüse noch für Freuden erleben lassen.
Wunderbar die erste sexuelle Szene, in der sie am Tisch mit einem Apfel masturbiert und feststellt: „Bella hat etwas entdeckt … Wie ich mich selbst glücklich mache.

Als sie später auf ihrer Reise Martha trifft, eine Frau, die sehr viel älter ist als sie und die ihr erklärt, dass sie schon lange keinen Sex mit Männern mehr habe, ist Bella schockiert und sagt zu ihr:
Ich hoffe sie benutzen Ihre Hände zwischen Ihren Beinen, um sich glücklich zu machen!

Mit ihrem Liebhaber genießt sie anfangs Sex so oft wie möglich und versteht gar nicht, warum es nicht für alle das Wichtigste im Leben ist: „Warum machen das die Leute nicht ständig?“
Und als sie dann im Bordell und anderswo feststellen muss, dass die wenigsten Menschen ihre Bedürfnisse erfüllen können, fährt sie wieder nach Hause und gestaltet sich ihr Leben so, wie es ihr gefällt.

Bella, we love you!

Auch in der körperorientierten Arbeit von Mara und Vivien (Sexological Bodywork, Sexocorporel, Holistic Bodywork) geht es darum den eigenen Körper kennen und lieben zu lernen und darüber in die eigene Kraft zu kommen. Wenn du daran Interesse hast, dich in Einzelsessions oder gemeinsam mit deinem*r Partner*in begleiten zu lassen, schreib uns gerne an über info@orgasmic-woman.com oder kontaktiere Mara oder Vivien direkt über ihre eigenen Webseiten.

Klitoris

Klitoris
Clit. Die aufregende Geschichte der Klitoris

 

Dieses Werk von der Kulturwissenschaftlerin und Geschlechterforscherin Louisa Lorenz wird zu einem der Bücher, die wir allen Menschen, die sich für ihren Körper, ihre Sexualität und die Geschichte der Geschlechterbeziehungen interessieren, zukünftig dringend empfehlen werden.

„Das Wissen über die Klitoris ist tatsächlich für uns alle relevant, denn es berührt unser aller Leben auf unterschiedlichen Ebenen. Auf der größeren Ebene unserer Gesellschaft geht es zunächst einmal einfach um die Gleichbehandlung von Menschen und Körpern. … Außerdem werden aus der ungleichen Repräsentation von Penis uns Klitoris auch unterschiedliche Vorstellungen von „männlicher“ und „weiblicher“ Sexualität abgeleitet und verfestigt. … Die Vorstellung, dass Penis und Vagina nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip zueinanderpassen, ist außerdem ein Bild, bei dem eine fortpflanzungs- und nicht eine lustorientierte Sexualität im Vordergrund steht.“

Als ich das Buch zuerst in die Hand nahm, nahm ich an, dass es sich einreihen würde in die Stimmen, die seit Jahren bei der Wiederentdeckung der Klitoris als Lustorgan die Orgasmusfähigkeit über die Vagina in Frage stellen. Seit Beginn von Orgasmic Woman versuchen wir der Vagina wieder eine Bedeutung in der weiblichen Sexualität zu geben; eine Gleichwertigkeit neben der Klitoris. Wir wünschen uns eine Wertschätzung unseres gesamten Geni(t)als und keine Hierarchie!
Ich überflog das Buch daher zuerst nur, blieb aber bei dem Kapitel „Die Abwertung der Vagina“ hängen. Da schreibt Louisa: „Den Feminist*innen, deren Ziel es war sich gegen all das aufzulehnen, was die vaginale Sexualität zu diesem Zeitpunkt repräsentierte, kamen Studien sehr gelegen, die eine Unempfindlichkeit der Vagina wissenschaftlich bestätigten. … Die Unempfindlichkeit der Vagina zu betonen, sollte Frauen darin bestätigen und ermutigen, sich einer Sexualitätsnorm zu widersetzen, die ihre Lust nicht bedachte.“ Und sie kommentiert das mit den Worten: „Zu sehen, dass gerade Frauen in einem feministischen Kontext ihren eigenen Körper so sehr abwerteten, macht mich persönlich trotzdem traurig.“

Daraufhin beschloss ich das Buch zu lesen. Und tatsächlich habe ich noch einiges gelernt. Louisa bringt in ihrem Buch nicht nur sehr detaillierte Fakten zur Anatomie der Klitoris, sie setzt sich wie wir auch sehr differenziert mit der Sprache auseinander. Sie schreibt außerdem über unsere Defizite im Lernen von Sexualität, über die Wichtigkeit der Kommunikation, über das Unwissen der Mediziner*innen und über Medizingeschichte, unter anderem zu unserem Umgang mit der Praxis der Klitorisentfernung. Und sie schreibt eine Kulturgeschichte der Klitoris, wobei sie sich schließlich auch mit neuen Mythen, wie der Erfindung des Vibrators und dem vaginalen Orgasmus laut Freud auseinandersetzt.

Es bleibt ein Buch über die Klitoris. Louisa schreibt kaum etwas zur eigentlichen Anatomie der Vagina und ihrer möglichen Sensibilität. Und auf ihren letzten Seiten zu unserem heutigen eingeschränkten Verständnis von Sexualität und des Orgasmusdrucks würde ich mir wünschen, dass sie diesen „OrgasMuss“ noch mehr als Konzept hinterfragt, so wie sie anderes in ihrem Buch kritisch hinterfragt. Aber das, was sie schreibt, zur Klitoris und ihrer Geschichte, habe ich so detailliert und differenziert noch nie gelesen und ist für mich daher ein absolutes Muss!

Konsens ist sexy

Konsens ist sexy

 

Nadine Primo, freie Autorin, Speakerin und Bloggerin, vor allem zu den Themen Bisexualität, Diversität, weibliche Lust und mentale Gesundheit, hat ein Buch zum Konsens geschrieben. Es heißt „Konsens ist sexy. Von persönlichen Grenzen und weiblicher Lust“.
Es ist ein sehr persönliches Buch geworden und damit auch sehr mutig und so vehement, wie es dieses Thema braucht.

Sie beginnt nämlich über ihre Kindheit und die Rolle der Ursprungsfamilie in ihrem Leben zu schreiben. Dabei hat mich vor allem berührt, wie sie viele Jahre unter der Ignoranz und fehlenden Sorgfalt von Ärzten leiden musste, die nicht erkannten, dass sie eine Rippe zu viel hatte, die ihr zunehmend große Schmerzen bereitete.
„Als Andenken an die sechs Jahre habe ich, neben einer Fehlhaltung … und einem Loch im Brustkorb … das Gefühl behalten, dass ich meine negativen Gefühle besonders energisch und laut kommunizieren muss, weil mir eventuell nicht geglaubt werden könnte.“
Eine Form von Medical Gaslighting: „Es hat insgesamt sechs Jahre gedauert, bis ich operiert und von den täglichen Schmerzen erlöst wurde. Bis dahin wurde meine Wahrnehmung immer wieder verzerrt, mir mein Leid abgesprochen; meine Symptome nicht ernst genommen … Das hat Spuren hinterlassen, tiefe Spuren.“

Im medizinischen Kontext, in Bezug auf ihren Körper, hat sie also leider schon als Kind keinen Konsens erfahren. Sie wurde nicht ernst genommen, ihre Grenzen oft nicht geachtet.

Sie schreibt auch über das Helfersyndrom als eine Art von Kompensation: „Die eigene Hilfsbedürftigkeit und die eigenen Schwächen werden verleugnet sowie Gegenseitigkeit und Intimität in Beziehungen vermieden.“ Eine, wie ich finde, treffende Beschreibung.

Als Erwachsene versteht sie dann, wie sie außerdem von patriarchalen, sexistischen und heteronormativen Strukturen geprägt ist. „Aus diesen Mustern und Strukturen muss Mensch sich erst einmal befreien. Der Schwerpunkt meiner Arbeit verlagerte sich: Konsens, weibliche Lust und ihre Grenzen, sexuelle Selbstbestimmtheit und gleiche Rechte für alle Geschlechter standen fortan und stehen nach wie vor bei mir im Fokus. Das Ziel: selbstbestimmt(e) weibliche Lust leben.“

Und warum das Thema Konsens gerade für die weibliche Sexualität so wichtig ist, erklärt sie so: „Das Thema weibliche Lust wurde immer wichtiger für mich, auch in meiner Arbeit als Autorin, denn ich begriff, dass hier weiterhin viel Unkenntnis und gefährliches Halbwissen in den Köpfen vorherrschen. Noch immer taucht weibliche Lust meistens im Kontext männlicher Lust auf und ist dafür da, ebendiese zu befriedigen, statt die eigene in den Vordergrund zu stellen. Aufgrund dessen kommt es immer wieder zu Erwartungshaltungen gegenüber Frauen, die zu grenzüberschreitenden Situationen führen können – wenn im Vorhinein kein Konsens eingeholt wird.“

In ihrem Buch erzählt sie von ihren eigenen Beziehungen und bringt Beispiele anderer. Es geht um Bisexualität und alternative Beziehungsmodelle und sie setzt sich auseinander mit sozialen Medien, Mainstream-Porno und Online-Dating. Vor allem geht es dabei immer wieder um die Schwierigkeit Grenzen zu setzen und Bedürfnisse zu kommunizieren, wenn wir uns Abhängigkeitsverhältnisse nicht bewusst machen.

Über ihre Bisexualität schreibt sie: „Auch wenn es lange Zeit eine Herausforderung für mich war, bisexuell zu sein, so ist es jetzt nur noch eins: ein Geschenk. Das Geschenk, auf alle Geschlechter zu stehen und allein dadurch mehr Diversität zu (er-)leben. … Ich verliebe mich in Menschen, nicht in Geschlechtsteile.“

Was Nadine Primo an eigenen persönlichen Erfahrungen schildert, ist immer wieder heftig, immer wieder geht es ums Scheitern, besonders zum Ende des Buchs, wenn es um die Beziehung mit einem depressiven Partner geht. Aber letztendlich geht es ihr nicht darum schwarz zu sehen: „Wahrscheinlich ist es das, was ich am Ende eigentlich sagen will: Achtet mehr aufeinander, redet miteinander statt aneinander vorbei und versucht, andere Menschen wirklich zu verstehen. Selbst eine demokratische Gesellschaft kann erst dann wirklich frei sein, wenn Diversität auf Augenhöhe gelebt wird. Nur das würde Freiheit für jede*n Einzelne*n bedeuten.

Ja, unbedingt! Vielen Dank für dieses wichtige Buch, Nadine Primo