Aufklärung für Erwachsene

Ann-Marlene Henning Make More Love
Aufklärung für Erwachsene

 

Die Sexologin Ann-Marlene Henning ist wohl eine der bekanntesten Aufklärerinnen im deutschsprachigen Raum, die wir momentan haben. Ihre Serie „Make Love“ über Sexualität und Beziehungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen brachte frischen Wind in ein Thema, das in den Medien sonst oft noch geprägt ist von Normvorstellungen und Tabus.

Nachdem sie 2017 das Aufklärungsbuch für Jugendliche „Make Love“ herausbrachte, schrieb sie ein Jahr später, 2018, ein entsprechendes Buch für Erwachsene ab 40 Jahren: „Make More Love“.
In diesem versucht sie mit Vorurteilen aufzuräumen, was den Sex ab dem mittleren Alter betrifft und kompetente Antworten auf oft gestellte Fragen zu geben. „Denn guter Sex fällt nicht vom Himmel. Er ist eine Frage der Kommunikation, der Übung, des Wissens und der Intimität.“

Wie auch in ihrer TV-Serie gefällt mir die sachliche, entspannte Art wie sie über Sexualität schreibt. Das Buch lädt zum Querlesen, Blättern und Schmökern ein, mit vielen Bildern, Grafiken, Zitaten, Anregungen und Übungen. Es informiert über Anatomie, wie Erregung funktioniert, was damit passiert, wenn wir älter werden und einiges mehr.

„Keine menschliche Entwicklung wird so wenig unterstützt, begleitet und verstanden wie die Sexualität.“ zitiert Ann-Marlene Henning den Züricher Sexologen und Psychiater Peter Gehrig und trägt mit ihrem Buch wesentlich dazu bei dieses Manko zu beseitigen.

Kulturgeschichte der Vulva

Rezension zu Buch Vulva von M. Sanyal
Eine Kulturgeschichte der Vulva

 

„Vulva. Die Enthüllung des unsichtbaren Geschlechts“ von Mithu M. Sanyal ist eines der Bücher, die man als Mensch mit Vulvina unbedingt gelesen haben sollte. ⠀

Sie selbst bezeichnet es als „eine kleine Kulturgeschichte des Abendlandes – allerdings anhand der Darstellung des weiblichen Genitals in Alltag, Folklore, Medizin, Mythologie, Literatur und Kunst“. ⠀

Für uns ist es allerdings noch viel mehr: Es ist nämlich damit auch eine Geschichte der Unterdrückung der weiblichen Lust, oder, wie auf dem Klappentext treffend bezeichnet, „eine Geschichte von Aberkennung und Aneignung“. ⠀

Mithu M. Sanyal beginnt damit klarzustellen, warum es problematisch ist das weibliche Genital nur als Vagina zu bezeichnen (weil es somit nur auf den inneren Teil reduziert wird, und damit auf die Funktion der Fortpflanzung) und macht sich für den Begriff Vulva stark. ⠀

Sie zeigt wie die Vulva in vielen Mythologien verehrt wurde (das Heben der Röcke und Präsentieren der Vulva als Weltrettung), dann aber Scham und Verurteilung des weiblichen Geschlechts unsere Kultur bestimmten. ⠀

Und sie bringt zahlreiche Beispiele wie immer wieder mutige Künstlerinnen dagegen wirkten und sich für die weibliche Lust und eine selbstbestimmte weibliche Sexualität aussprachen. ⠀

Ein spannendes Buch also, das uns hilft zu verstehen in welchem kulturellen Kontext wir uns als Frau, als Mensch mit Vulvina, befinden und wie wichtig es ist wieder neu zu lernen unsere Vulvina zu verehren und als eine Quelle von Kraft und Inspiration zu nutzen.⠀